Gabriela Alexandra Freiin zu Wagefels ist, kaum daß sie ins Licht einer breiten Öffentlichkeit getreten war, dahingeschieden. Wir stehen noch unter dem Schock dieses Ereignisses, das so ungewöhnlich und so konsequent war wie ihr Leben. Ihre Persönlichkeit hatte uns bezaubert, ihr tiefes, fast unbegrenztes Wissen, ihr anziehend bescheidenes Auftreten. Sie war die einzige, die fähig war, intelligenten Leserinnen und Lesern eine moderne Lebenshilfe da zu leisten, wo das Schicksal zugeschlagen hatte. Ein gutgemeinter Expreßbrief aus New York hatte das Blut in ihren Adern erstarren lassen (fluvius percussionis): Der Absender hatte die Doktorin der Philosophie sowie beider Rechte des Plagiats geziehen! Denn die Antwort, die sie dem cand. phil. Siegfried E.-S. aus Berlin gegeben hatte, sei, so die Behauptung, fast wortwörtlich dem Bande „Berufsbildungsforschung, Ziele – Methoden – Forschungsprogramm; Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Berlin 1969“ von Armin Hegelheimer entnommen. Es hatte sie besonders hart getroffen, daß der auf Bescheidenheit beruhende Verzicht einer Wissenschaftlerin auf eigene Gedanken unverstanden geblieben war. Dabei hatte ihr noch kurz vorher sehr gefallen, daß Sprachkenner den ausgeprägten Stil ihrer Antwort so außerordentlich gelobt hatten. So endete das Leben einer modernen, emanzipierten Frau. Sie hinterläßt einen 37jährigen ledigen Sohn, der bei ihr gewohnt hatte. Er ist nunmehr bereit, am nächsten 1. April das Amt seiner Frau Mutter zu übernehmen.

Gabriel (Alexandra) Laub