Bernd Nietzschke: „Anarchistischer Arzt“, und „Schwierigkeiten bei einer Habilitationsarbeit ...“, ZEIT Nr. 12

Beim Lesen Ihrer Beiträge „Anarchistischer Arzt“ und „Schwierigkeiten bei einer Habilitationsarbeit ...“ wird einem wieder einmal so recht klar, daß die Endlösung der deutschen Hochschulfrage nur durch eine baldige Liquidation der reaktionären Professoren-Mafia zu erreichen sein wird. Bekanntlich gibt es ja heute keine dummen Studenten, querulatorischen Assistenten und schlechten Habilitationsarbeiten mehr, sondern nur noch Opfer des hierarchischen Systems. Oder, frei nach Heinrich von Treitschke: „Die Ordinarien sind unser Unglück“ ... Im Hinblick auf meine persönliche Sicherheit und meine Garderobe (faule Eier, Farbbeutel!) wollte ich Sie eigentlich bitten, meinen Namen nicht zu nennen, habe es mir dann aber doch anders überlegt. Professor Dr. Klaus Krisch, Kiel

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Einen dritten Weg gibt’s auch: Man arbeite mit oder ohne Professor bei uns oder im Ausland, veröffentliche die Befunde, kontrolliere ihre Resonanz bei der Fachwelt (objektiv im „Science Citation Index“ möglich), wende sich bei positivem Resultat an die Fakultät seiner Wahl (nicht an einen bestimmten Institutsleiter) und lege seine Publikationen vor. Ohne spezielle Arbeit, ohne Vetterle mit Konkurrenten.

Man wird sehen, wie sich dies Gremium, meist verstärkt durch außerfakultative Gutachter, entscheidet. In sieben Fällen, die ich im letzten Jahr verfolgen konnte, positiv für den Habil.-Stempel ohne Standardtour. Verfahren hin, Verfahren her, hier ist ein Ventil für Jüngere, die Frustrationen lösen wollen, wenn sie es wollen. – Alternative hat wirklich keine dritte Dimension, das nebenbei.

Dr. Hermann Stegemann, Göttingen

PS: Schade, daß Tratschke verschwand, wenn auch nur auf Zeit.