Die Warnungen der Gesundheitsexperten vor den Folgen der Fettleibigkeit haben bisher so wenig gefruchtet wie die staatlich geförderte Aktion, mehr Fett zu konsumieren. Im vergangenen Jahr wurden zwar 14 000 Tonnen mehr Butter abgesetzt als im Vorjahr, doch dafür blieb eine entsprechende Menge Margarine in den Regalen der Händler liegen. Statistisch ist das Fettergebnis vom Vorjahr; plus minus null.

Für das jahrelange Bemühen, den deutschen Butterberg abzubauen, ist der Mehrabsatz von Butter ein Achtungserfolg. Zwar erhöhte sich der Absatz nur um drei Prozent, der Butterberg aber schmolz, gemessen an seiner jetzigen Höhe von rund 84 000 Tonnen, um etwa 16 Prozent.

Diese 16 Prozent kosteten den Steuerzahler 260 Millionen Mark. Butter wurde nämlich nur deshalb verstärkt verzehrt, weil sie besonders billig war. 1968 haben die für die Agrarproduktion zuständigen EWG-Kommissare in Brüssel beschlossen, den europäischen Butterberg – derzeit 290 000 Tonnen – mit Steuermitteln abzubauen.

Nachdem der Versuch, teure Lagerbutter einzuschmelzen und dann als billiges Butterschmalz zu verkaufen, keinen Erfolg brachte, sollte die Aktion „verbilligte Butter“ die Überschüsse reduzieren helfen. Ausgesuchten Fettkonsumenten wurde gute Butter verbilligt angeboten. Pro Kilo verbilligte Butter (Normalpreis: 7,72 Mark für ein Kilo Frischbutter, 5,56 bis 6,76 Mark für ein Kilo Lagerbutter) zahlte die EWG-Agrarkasse im Durchschnitt rund fünf Mark zu.

Zum Kreis der von Brüssel ausgewählten Butterbegünstigten gehörten Sozialempfänger, Küchenchefs von gemeinnützigen Einrichtungen und Kantinenpächter von Bundeswehr und Polizei.’ Empfänger von Sozialleistungen erhielten jeden Monat Wertgutscheine in Höhe von 2,60 Mark für den Kauf von maximal 500 Gramm.

In Supermärkten kostete ein halbes Pfund Butter gelegentlich nur neun Pfennige – für Käufer, die einen Wertgutschein über 1,30 Mark hatten. Aus dem Bonner Ernährungsministerium wird sogar berichtet, daß Fürsorgeempfänger manchmal vom Händler noch einen Pfennig zurückbekamen, weil das halbe Pfund nur 1,29 Mark kostete.

Der Kreis jener, die von der staatlichen Butterfürsorge profitierten, ist allerdings klein. 1969 wurden nur Gutscheine über 3700 Tonnen Butter abgerechnet.