Wo und wieviel Vater tankt, bestimmt seit einigen Wochen in Millionen deutschen Familien sein Sprößling, Wie dessen Entscheidung ausfällt, hängt wiederum ganz davon ab, ob sein Herz mehr für Briefmarken (Esso), Nummis (BP) oder Münzen (Shell) schlägt.

Wenn Vati gern eine Reise zur Fußballweltmeisterschaft nach Mexiko gewinnen möchte, muß er auch ab und zu mal bei Aral vorbeifahren.

Die bislang erfolgreichste Aktion startete Esso, die an ihren Stationen jedem, der mindestens 20 Liter tankt, einen Umschlag mit vier Briefmarken in die Hand drücken läßt.

In der Branche wird geschätzt, daß Deutschlands Philatelisten den Marktanteil von Esso gegenüber der entsprechenden Vorjahreszeit um ein Prozent ausweiten halfen – im Benzingeschäft, wo Marktanteil Veränderungen meist nur hinter dem Komma abgelesen werden, ein sensationelles Ergebnis.

Erkauft wurde dieser Erfolg mit bisher über 50 Millionen Briefmarken. Solche Mengen zu beschaffen und so zu sortieren, daß möglichst kein Kunde zweimal die gleichen Marken erhält, stellt die beiden Großlieferanten von Esso vor bisher unbekannte Problem Sie haben die strenge Auflage, auch für eine ausgewogene geographische Verteilung der Marken zu sorgen.

Noch mehr Kopfzerbrechen macht den Marktstrategen vor Esso und ihrer Werbeagentur McCann die Frage, wie sie die Verstöße gegen die Zugabeverordnung vermeiden, die es nur gestattet, Kundengeschenke von geringem Wert zu machen. Abschätzige Bemerkungen wie „Kiloware“ aus den Reihen der Konkurrenz werden trotzdem entschieden zurückgewiesen.

Dazu Esso: „Im Fachjargon der Sammler bezeichnet man damit nur Marken, die einfach aus dem Umschlag herausgeschnitten sind. Wir verteilen aber nur abgelöste Marken in einwandfreiem Zustand.“