Parteien sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, öffentliche Ämter mit „Leuten ihres Vertrauens“ zu besetzen. Das galt und gilt besonders für die Sozialdemokraten.

Jetzt aber hat die SPD des Unguten doch wohl zu viel getan. Auf den seit eineinhalb Jahren vakanten Vizepräsidenten-Posten des Bundesnachrichtendienstes hievte sie einen weithin unbekannten Parteifunktionär: Dieter Blötz, 38 Jahre alt, Geschäftsführer der SPD-Landesorganisation Hamburg.

Blötz wird als Stellvertreter von General Wessel, dem Gehlen-Nachfolger, in Pullach mit die Verantwortung tragen über rund 5000 – zum Teil in überaus komplizierten Aufgaben – Beschäftigte und einen Jahresetat von über 100 Millionen Mark. Er ist kein Fachmann der Nachrichtenbeschaffung, nun gut. Er hat, soviel man weiß, keine militärischen Kenntnisse, nun gut.

Aber er wird doch gewiß ein erfahrener Verwaltungsfachmann sein? Bekannt ist davon nichts. Aber wenigstens ein überragender Organisator? Darüber könnte nur die Hamburger SPD Zeugnis ablegen.

Selbst wenn dieser Mann über einige Qualifikationen verfügen sollte, bliebe es dabei: In die Spitze des Bundesnachrichtendienstes gehören keine Parteifunktionäre. Denn schließlich kann man sie dort nicht bei jedem Regierungswechsel austauschen.

Die Sozialdemokraten haben der CDU lange vorgeworfen, sie tue so, als gehöre ihr der Staat. Aber: auch ihnen gehört er nicht. H. G.