Seit einem Jahr ist die Erfolgsbilanz der meisten deutschen Investmentfonds wieder negativ. Ausnahmen; bilden im wesentlichen Adiverba, ein Fonds, der Bank- und Versicherungsaktien repräsentiert, sowie der Brauereifonds, dessen günstiges Abschneiden mit der Konzentrationsbewegung in der deutschen Brauwirtschaft zusammenhängt.

Positive Ergebnisse erzielten auch die Immobilienfonds, die unabhängig von der Tendenz an den Wertpapiermärkten sind, und bemerkenswerterweise auch Fondak, was wohl in erster Linie auf die ganz breite Streuung zurückzuführen ist. Sie hat dazu geführt, daß der Fonds in den Genuß der vielfältigen Sonderbewegungen am deutschen Aktienmarkt gekommen ist.

Insgesamt war die Entwicklung in den einzelnen. Fonds selten so unterschiedlich wie in den zurückliegenden zwölf Monaten. Die Skala geht von plus 15,9 bis minus 16,9 Prozent. Dieser breite Fächer ist kein Ausdruck besonderer Genialität oder Unfähigkeit der Fondsverwalter. Vielmehr spiegelt sich hier die Kursentwicklung in den einzelnen Ländern wider, in denen die Fonds investiert haben.

Lob– und zugleich auch Tadel – verdient der Kapitalfonds I des Bankhauses I. D. Herstatt in Köln. Mit einem Plus von 3,8 Prozent erzielte er im letzten Jahr ein vergleichsweise befriedigendes Ergebnis. Warum? Darüber geben die Fondsverwalter .Auskunft: „Der Schwerpunkt des Auslandsportefeuilles lag 1969 auf dem japanischen Aktienmarkt, der im internationalen Vergleich mit die stärksten Kurserhöhungen aufwies.“ Doch am Jahresende entfielen nur 11,8 Prozent des Fondsvermögens auf Japan, wo gerade jetzt neue Höchstkurse erzielt wurden. Rückwirkend gesehen ist zu sagen, daß das japanische Portefeuille zu früh abgebaut worden ist. Aber Fondsverwalter sind eben auch nur Menschen. Insgesamt läßt sich sagen, daß die deutschen Fonds, soweit ihre Satzungen es zuließen, an der Japan-Hausse nur in einem völlig unzureichenden Maße teilgenommen haben. Sie klebten viel zu sehr an ihren US-Aktien.

Ein deutlicher Qualitätsunterschied ist auch bei den beiden Fonds festzustellen, die sowohl in Aktien- als auch in Renten investieren. Es handelt sich um Fondra (ADIG) und um Arideka (Sparkassen). Wer 1962 Fondra-Zertifikate erwarb, kam auf eine jährliche Wertsteigerung von 3,8 Prozent, bei Arideka nur auf 2,5 Prozent. Auch in den späteren Jahren waren die Fondra-Erfolge stets höher.

Damit wird deutlich, daß es auch für den Investmentsparer keineswegs gleichgültig ist, zu welchem Zeitpunkt er sein Geld anlegt. Wer den falschen „Einstieg“ erwischt, wird seinen „Fehler“ kaum jemals wieder ausgleichen können. Das veranschaulicht unsere Tabelle in aller Nachdrücklichkeit, wobei zum richtigen Verständnis darauf hingewiesen werden muß, daß – um eine Vergleichsfähigkeit zu erreichen – alle von den Fonds ausgeschütteten Erträge als wiederangelegt betrachtet und daß auch die unterschiedlichen Spesensätze berücksichtigt wurden.

Fondra und Fondak der Adig sind die ältesten deutschen Fonds. Wer damals sofort mitgemacht hat, heimste einen jährlichen Wertzuwachs ein, der sich hinter den vielgerühmten US-Fonds nicht zu verstecken braucht. Bis 1959 blieben die Zeiten günstig, wie auch die Ergebnisse der später gegründeten Konkurrenzfonds zeigen. Wer indessen im Frühjahr 1962 deutsche Aktienfonds erworben hat, liegt im allgemeinen heute noch „schief“, für denjenigen sind nämlich als „Jahresvergütung“ kaum mehr als der niedrigste Sparkassenzins herausgesprungen.