Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Moralität ist eine Pose: wir wenden sie gegen Leute an, die uns unangenehm sind. Oscar Wilde

Ich hatte einmal eine nette Kommune...“ Der Münchner Makler A. hatte den jungen Leuten ein Haus vermittelt das sie gegen einen monatlichen Mietzins von 900 Mark in Münchens Vorstadt anmieteten und eineinhalb Jahre lang ohne besondere Vorkommnisse bewohnten. „Der Vermieter war selbst ein junger Mann“, erinnert sich A., „und ich hatte mich mit zwanzig Prozent meiner Normalcourtage begnügt.“

Die Kommune bestand aus zehn Erwachsenen und zwei Kindern. „Jeder Mann hatte ein Weiblein, und zusammen hatten sie zwei Kinder“, schmunzelt A. „Die Leute lebten wirklich ordentlich, bezahlten pünktlich die Miete.“ Vor kurzem jedoch meldeten sich beim Makler A. anonyme Anrufer. „Sie leisten dem Kommunismus Vorschub“, bellte ihm jemand ins Ohr. Oder: „Sie sind ein Apo-Makler.“ Was war geschehen?

„Ach, die Leute waren wohl doch noch ein bißchen unreif...“ Makler A. ist nachsichtig. In dem gutbürgerlichen Vorstadtviertel waren die Kommunarden – „Sie hatten zuvor so was noch nie gemacht“ – mit Transparenten umhermarschiert. Mitbestimmungsparolen sollten die Nachbarn mobil machen.

„Die Spießbürger meuterten“, sagt A. Auch der Vermieter konnte sich schließlich nicht mehr vor deren Unmut retten. Die Kommune wurde auf die Straße gesetzt. „Sie hat sich jetzt aufgelöst“, sagt A. „Denn obgleich ich sofort ein Inserat aufgab, fanden sie keine neue Wohnung.“

Seines Wissens ist Makler A. in München der einzige, der es wagt, in Anzeigen deutlich zu sagen, daß er speziell für eine Kommune eine Bleibe sucht. „Die Kollegen wagen es nur zu schreiben, daß eine Wohnung ‚für eine oder mehrere Personen‘ gewünscht wird.“