Das südostasiatische Königreich Kambodscha steht am Rande des Bürgerkrieges. In mehreren Provinzen des Landes kam es in den letzten Tagen zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des entmachteten Staatschefs Prinz Sihanouk und Truppen der neuen Regierung in Pnom Penh unter General Lon Nol. Knapp zwei Wochen nach dem Sturz Sihanouks gab die Regierung eine Erklärung heraus, in der es hieß, die zunehmende Infiltration von Nordvietnamesen und Vietcong-Truppen habe eine „gefährliche Situation“ im Lande geschaffen.

Nach Meldungen aus Pnom Penh sollen Vietcong-Einheiten Stützpunkte der Regierung angegriffen haben, die kaum mehr als 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegen. Auch an der thailändisch-kambodschanischen Grenze herrscht Alarmzustand. Pnom Penh wurde durch Regierungstruppen von der Außenwelt abgeriegelt. Nordvietnam und die provisorische Revolutionsregierung haben inzwischen den größten Teil ihres diplomatischen Personals aus der kambodschanischen Hauptstadt abgezogen.

Von seinem Exil in Peking aus hat Prinz Sihanouk die vietnamesischen und laotischen Kommunisten aufgefordert, gemeinsam mit ihm eine Allianz gegen die Vereinigten Staaten und deren Freunde in Indochina einzugehen (siehe auch Dokumente der ZEIT). Gleichzeitig erklärte der gestürzte Staatschef, er wolle die Macht mit kommunistischer Hilfe und mit militärischer Gewalt zurückerobern.

Das amerikanische Außenministerium hat inzwischen dementiert, daß in Washington eine Forderung Kambodschas nach amerikanischer Waffenhilfe eingegangen. sei. Die Fraktionsführer der beiden Parteien im amerikanischen Senat haben Präsident Nixon aufgefordert, den Abzug der amerikanischen Truppen aus Südostasien trotz der Zuspitzung der Lage in Laos und Kambodscha fortzusetzen. Der demokratische Fraktionsführer forderte einen Abzug „mit Sack und Pack“ aus ganz Südostasien.