Dietrich Strothmann: „Buhmänner der Nation?“, ZEIT Nr. 12

Bisher habe ich mich nicht voll hinter die Politik der Vertriebenen verbände gestellt, im Gegenteil, ich habe sie teilweise kritisiert. Nachdem ich aber Ihren gehässigen, voller widerlichem Zynismus geschriebenen Bericht in der ZEIT lese, werde ich jetzt als Vertriebener wissen, wo ich hingehöre. Alfred Goldberg, Direktor i. R-,

Großhansdorf bei Hamburg

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In dem vorliegenden Beitrag sind die schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, vor die sich Herr Czaja in seinem neuen Amt gestellt sieht, mit einer begrüßenswerten Sachlichkeit aufgezeigt worden. Freilich hätte der Satz, die Vertriebenen sollten früh genug darauf vorbereitet werden, worauf sie verzichten müßten, einer Konkretisierung bedurft. Es wird dadurch der fatale Eindruck erweckt, als seien zum Beispiel Pommern, Schlesier und Ostpreußen mehr als andere verpflichtet, die Zeche des – doch wohl vom ganzen deutschen Volk – verlorenen Krieges zu zahlen. Zwar wird mitunter die Auffassung vertreten, die Vertriebenen hätten auf Grund ihres Schicksals die Opfer, die der Krieg in einem tragischen Ausmaß für sie gebracht habe, mehr oder weniger gottergeben auf sich zu nehmen. Gleichwohl meine ich, daß eine derartige Einstellung mit dem Gedanken der Volkssolidarität, der selbst im Grundgesetz anklingt, schlechthin unvereinbar ist.

Es ist von der westdeutschen Bevölkerung – und die Presse trägt hierfür in hohen Maße die Verantwortung – sehr wenig geschehen, um die Vertriebenen wirklich einzugliedern. Dabei geht es mir nicht um materielle Fragen, die im Rahmen des volkswirtschaftlich Vertretbaren gelöst wurden. Vielmehr meine ich die Eingliederung in kultureller Hinsicht.

Als gebürtiger Ostpreuße (Jahrgang 1943) finde ich es deprimierend, daß man in der Bundesrepublik Deutschland kaum als Ostpreuße auftreten kann, ohne gleich Gefahr zu laufen, lächerlich gemacht zu werden. Es hilft einem in der Regel auch nicht viel, wenn man seinen Gesprächspartnern darlegt, daß man die Aussöhnung mit Polen und die Erhaltung des gegenwärtigen relativen Friedens als vorrangige Ziele ansieht.