Nicht wenige von denen, deren Leistung es hier zu würdigen gilt, sind schon nicht mehr unter uns. Keiner von ihnen blieb ohne Nachruf. Die Todesanzeigen überdurchschnittlicher Größe, aus einschlägigen erstattungsfähigen Etats bezahlt, mögen als ein kleines Zeichen der Dankbarkeit, die wir ihnen schulden, angesehen werden. Viele aber leben noch, wenn auch wohl überwiegend im Ruhestand, und blicken mit zunehmender Befremdung und sicher hier und da auch mit heiterem Kopfschütteln auf die immer turbulenter werdenden Zustände in ihren früheren Wirkungsbereichen, mit denen ihre Nachfolger im Amt (und Nachfolger in deutlich kleiner werdenden Würden) sich herumplagen müssen.

Mag sein, daß dieser oder jener von ihnen schon heute die Welt nicht mehr begreift, die er noch bis vor wenigen Jahren – jeder an seiner Stelle – daran hinderte, sich ihrem Alters- und Gesundheitszustand entsprechend zu verhalten. Ob Staatsmann oder Parteiboß, Hochschullehrer oder Verbandspräsident, Ministerialreferent oder Schuldirektor – sie alle taten ihre Pflicht und nichts als ihre Pflicht...

Nicht dem Zufall des persönlichen Ehrentages jedoch sollten wir es allein überlassen, ihrer zu gedenken. Jeder neue Tag vermittelt uns gleichwertigen Anlaß, uns ihrer in Wehmut zu erinnern – in Wehmut deswegen, weil sie mittlerweile zu alt sind, um auch nur einiges von dem wieder gutzumachen, was sie angerichtet haben. Allerdings: auch von ihnen wird es wieder keiner gewesen sein!

Wie wäre es also mit einem lauten und großen kollektiven Dank an alle jene Exponenten wichtiger Berufsgruppen, die die gemeinsame Karre in den Dreck schieben halfen? Also: Dank, Dank ...

... all jenen Staatssekretären, Ministerialen und Richtern, die „in Nischen traten“, zwölf Jahre lang blind und taub einem Staate dienten, dem sie außer Karriere nichts, aber auch gar nichts abzugewinnen vermochten, und die der kritischen Jugend von heute den heiteren Eindruck vermitteln, als hätten die 21 in Nürnberg Verurteilten den Nazistaat ganz allein aufgebaut, verwaltet und zugrunde gerichtet;

... den Kirchenfürsten und christlichen Parteioberen, die nach dem Kriege den unglaubwürdig gewordenen Kirchen die Chance der Neubesinnung verweigerten, indem sie sie jeweils immer dort in den Staat integrierten, wo der es am wenigsten vertragen konnte;

... jenen Magnifizenzen, Spektabilitäten und Ordinarien, die „Humboldt“ riefen und Gutachten, Forschungsaufträge und Privatpatienten meinten, die bei Rotary und Herrenessen bekannter waren als bei ihren Studenten und aus Steuermitteln akademische Hofhaltung finanzieren ließen, einschließlich der Knappen und Hofnarren;