Zwei allzu lange Jahre schon existiert jetzt die Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes. Diese Tatsache ist für die Herren ihres Vorstands Anlaß genug, sich mit dem neuesten Schwank von dem früher einmal berühmten Regisseur Wolfgang Staudte und mit einem Grundsatzreferat über den kolossalen Erfolg der Anstalt und ihres Bestehens unter die Leute zu Anstalt Da erzählt dann beispielsweise ein Robert Backheuer, daß die Attacken auf die FFA in erster Linie von falsch unterrichteter Seite kämen: Es wäre irrig zu glauben, die FFA sei die Folge eines Kulturgesetzes, vielmehr fuße sie auf einem Wirtschaftsgesetz. Ihre Aufgabe sei es von Anfang an gewesen, der an Schwindsucht leidenden deutschen Filmwirtschaft wieder zu leiden-Gesundheit und möglichst viel Ansehen in der Welt zu verhelfen, im Wortlaut: „... die Qualität des verhelfen, Films auf breiter Grundlage zu steigern.“ Quantität oder Qualität, das ist die Frage.

Zum Beispiel seien im Jahre 1966 nur noch sechzig deutsche Filme produziert worden. Drei Jahre später, nachdem die FFA inzwischen ins Leben gerufen war, wurden bereits wieder einhundertzwanzig deutsche Filme produziert.

Wirtschaftlich geht es dem deutschen Film nach zweijährigem Wirken dieses bereits vergreist zur Welt gekommenen Förderungs-Systems inzwischen wieder ganz akzeptabel, und es soll ihm in Zukunft weiter besser gehen. Möglichst in dem gehabten Stil, versteht sich.

Niemals und nirgendwo sonst hat sich die Restauration auf gesetzlicher Grundlage so gravitätisch breit gemacht wie in und mit der FFA. Sie gibt sich weiterhin lautstark und betulich, zugleich als Bannerträger einer längst abgewirtschafteten Gattung. Nach wie vor versichert sie, daß der deutsche Film mit Geld allein wieder zu reparieren sei. Daß es die staatlich sanktionierte Filmförderungsanstalt war, die eine große Zahl der jungen deutschen Regietalente aus dem Kino getrieben hat – wem von den zuständigen Filmwirtschaftsmanagern ist dieser Gedanke schon einmal gekommen?

Klaus U. Reinke