Die Welle von politischen Entführungen in Lateinamerika hat sich verstärkt. Innerhalb einer Woche kam es auf dem Subkontinent viermal zu Angriffen auf Diplomaten.

Das letzte Opfer war am Dienstag der Botschafter der Bundesrepublik in Guatemala, Karl Graf von Spreti. Er wurde in Guatemala City aus seinem Wagen heraus gekidnappt. Zwei Tage zuvor hatte die Polizei in Buenos Aires den Versuch von vier rechtsgerichteten Extremisten verhindert, den stellvertretenden Leiter der Handelsabteilung der sowjetischen Botschaft, Jurij Piwogarow, zu entführen. Die Entführung des Sowjetdiplomaten war von den Rechtsextremisten als Racheakt geplant worden, nachdem vier Tage zuvor die linksgerichtete argentinische Befreiungsfront (FAL) den paraguayischen Konsul Waldemar Sanchez gekidnappt hatte. Sanchez wurde am Wochenende unversehrt freigelassen, obwohl sich die argentinische Regierung geweigert hatte, im Austausch zwei politische Gefangene freizugeben.

Erfolgreicher war die Untergrundorganisation, die zu Beginn der vergangenen Woche den Luftwaffenattaché der US-Botschaft in der Dominikanischen Republik, Donald Crowley, entführte; sie erreichte zwei Tage nach ihrem Coup im Austausch gegen Crowley die Freilassung von 19 politischen Häftlingen.

Die Serie von aufsehenerregenden Entführungen dauert bereits seit September des vergangenen Jahres an. Damals wurde der amerikanische Botschafter in Brasilien, Charles Burke Elbrick, auf einer der belebtesten Straßen Rio de Janeiros von brasilianischen Widerstandskämpfern gekidnappt. Nachdem er 78 Stunden verschwunden war, wurde er im Austausch gegen 15 politische Gefangene freigelassen.

Am 1. März dieses Jahres wurde in Guatemala City der Außenminister von Guatemala, Alberto Fuentes Mohr, durch Pro-Castro-Guerillas entführt. Im Austausch gegen einen gefangenen Guerillaführer wurde Mohr einen Tag später wieder freigelassen. Eine Woche später entführten Castro-Anhänger in Guatemala City den amerikanischen Botschaftsattaché Sean Holly. Zwei Tage danach, als die Regierung vier Widerstandskämpfer freigelassen hatte, kehrte Holly unversehrt in die US-Botschaft zurück.

In São Paulo kidnappten am 12. März Guerillas den japanischen Generalkonsul Nobui Okuchi. Zwei Tage später wurde der Diplomat im Austausch gegen fünf politische Häftlinge freigelassen.