Am Freitagmorgen der vorletzten Märzwoche standen vor den Toren des AEG-Telefunken-Werkes im Berliner Stadtteil Reinickendorf fünf vermummte Gestalten und verteilten 800 Flugblätter. Rolf Kreibich, Präsident der FU Berlin, war nicht dabei – wegen Übermüdung mußte er die Flugblattaktion seinen Mitarbeitern überlassen.

Die Flugblätter, unterzeichnet von Präsident Kreibich und sechs weiteren Mitgliedern des Präsidentenamtes, sind der vorläufige Schlußpunkt in einer Geschichte, die eigentlich erst am Abend dieses Freitags beginnen sollte: Der AEG-Betriebsrat hatte Kreibich für den Abend zu einem halbstündigen Vortrag auf einer Betriebsversammlung eingeladen und dann wieder ausgeladen.

Kreibichs Thema auf dieser turnusmäßigen Vierteljahresversammlung war: „Der Betrieb und seine Umwelt“ (so der AEG-Betriebsrat) oder „Die Situation der Universität und ihre gegenwärtigen Probleme“ (so die AEG-Zentrale in Frankfurt) oder „Die Aufgaben der Universität gegenüber der Gesellschaft... Mitbestimmung ... Bildungschancen für Arbeiter und Angestellte nach der Hochschulreform“ (so Kreibich).

Der Reinickendorfer Betriebsrat meinte mit Kreibichs Vortrag „... vorhandene Vorurteile, die das Verhältnis von Arbeitnehmern zu den Studenten belasten, abzubauen“. Die AEG-Zentrale meint: „Fremde Probleme im eigenen Betrieb, das hat man nicht gern.“

Und so äußerte die Berliner Geschäftsführung ihre Bedenken gegen die Einladung des Präsidenten (bei der Einladung des Wirtschaftssenators König, zum Beispiel, gab es keine Bedenken). Der Betriebsrat teilte die Bedenken und machte die Einladung rückgängig: weil die Geschäftsleitung der Meinung sei, daß nach Kreibich eine „unübersehbare betriebliche Belastung kommen könnte.

Am Freitagabend sprach dann der Direktor der Berliner Absatzorganisation über die Berliner Absatzorganisation – „was auch sehr interessant ist“, so der Reinickendorfer AEG-Betriebsrat Brink.

Betriebsrat Brink gibt eine politische Auslegung der Ausladung: „Wir wollen die Berliner Arbeitsplätze erhalten und sogar ausweiten.“ Und wenn man die besondere politische Situation in Berlin beachte, sehe man auch, daß Kreibichs Vortrag durchaus zu „politischen Schließrigkeiten“ hätte führen können. Schließlich soll Kreibich auf dem SPD-Parteitag in Berlin nicht gerade gefeiert worden sein.