Die realen Zustände der künftigen Gesellschaft können nicht vernünftiger sein als das Bewußtsein, das sie produziert.

Georg Picht

Preis für Sendak

Die Hans-Christian-Andersen-Medaille, prominenteste Ehrung auf dem internationalen Kinderbuchmarkt, wurde von einer aus 36 Ländern in Ost und West bestehenden Jury für das Jahr 1970 einstimmig dem Amerikaner Maurice Sendak zugesprochen. Als „einen der mächtigsten Männer der USA“ bezeichnete die New York Times den 1928 geborenen New Yorker polnischer Abstammung, der „der Phantasie von Millionen von Kindern Gestalt gegeben“ habe. Zartbesaitete deutsche Eltern jedoch mochten ihren lieben Kleinen die grotesk phantastische Welt des Mannes, der nicht daran glaubt, daß es ein Paradies der Kindheit gibt, bisher nur zögernd zumuten. Der Erfinder der „Wilden Kerle“ und der „Higgelti Piggelti Pop!“-Geschichte (beide im Diogenes Verlag, Zürich), der Illustrator von I. B. Singers „Zlateh die Geiß“ (Sauerländer Verlag, Aarau) ist hier noch ein umstrittener Geheimtip. Nach der Andersen-Medaille trauen sich aber vielleicht auch deutsche Erzieher und Jugendbuchpreis-Verleiher, mit Sendak die Kinder und ihre Welt ernst zu nehmen: „Er war da und saß im Garten“, der jüngste Sendak auf dem deutschen Buchmarkt (Diogenes), ist mehr als eine gute Gelegenheit, auch jetzt noch Sendak Zu verfallen.

Ein Viertel Frauen

An den 50 wissenschaftlichen Hochschulen der Bundesrepublik waren nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im Sommersemester 1969 277 252 Studierende immatrikuliert. Verglichen mit dem Sommersemester 1968 hat sich die Studentenzahl um 7,8 Prozent erhöht, die Zahl der Studienanfänger sogar um 10,3 Prozent. Konstant geblieben ist nur die Zahl der studierenden Frauen: Nach wie vor sind es 24 Prozent der Studenten. Wie das Statistische Bundesamt ferner mitteilte, haben 27,8 Prozent der Studenten geisteswissenschaftliche Fächer belegt, 18 Prozent Naturwissenschaften, 14 Prozent Wirtschaftswissenschaften, 11 Prozent Rechtswissenschaften, 10,5 Prozent Ingenieurwissenschaften und 10,3 Prozent Allgemeine Medizin. Damit hat sich die leicht rückläufige Tendenz in der Wahl des Studiums der Allgemeinen Medizin und der Ingenieurwissenschaften weiter fortgesetzt. Leicht zurückgegangen ist auch der Anteil der ausländischen Studenten an den deutschen Hochschulen.

Stipendien für den Staat

Es klingt wie ein Scherz, ist aber leider keiner: Eine Gruppe von sieben österreichischen Künstlern (unter ihnen Walter Pichler, Arnulf Rainer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener), hat sich entschlossen, Stipendien für österreichische Kulturbeamte und Kunstexperten zu stiften. Grund: der „katastrophale Informationsmangel der zuständigen Personen“, denen hiermit die Möglichkeit zu Informationsreisen und zur Konsultation internationaler Experten gegeben werden soll. Bisher sind 10 000 österreichische Schilling (rund 1500 Mark) zusammengekommen, die dem derzeitigen Biennalekommissar zur Verfügung gestellt werden sollen.