Inge Deutschkron: „Israel und die Deutschen – Zwischen Ressentiment und Ratio“, mit einem Geleitwort von Asher Ben Nathan; Verlag Wissenschaft und Politik, Köln; 368 S., 26,– DM

Der alte Ben Gurion, der sich auf der Feuerleiter des Waldorf-Astoria-Hotels zu Bundeskanzler Adenauer begibt; Staatssekretär Shimon Peres und Asher Ben Nathan in geheimer Mission auf vereister Autobahn dem Haus von Franz Josef Strauß entgegeneilend; Generalstaatsanwalt Bauer, der dem israelischen Geheimdienst die Information über Eichmanns Versteck zuspielt – diese und andere aufregende Details aus zwanzig Jahren deutsch-israelischer Beziehungen enthüllt die Korrespondentin Inge Deutschkron in der ersten Monographie über eines der spannendsten, trickreichsten und ressentimentgeladensten Kapitel bundesrepublikanischer Geschichte.

Karl-Heinz Janßen Kurt Tucholsky: „Briefe an eine Katholikin 1929-1931“; Rowohlt Verlag, Reinbek; 89 S., 6,80 DM

Der Kommunismus und die Sowjetunion, das Christentum und die Kirche, die Katholiken und die Juden, Lenin und Kafka, guter und schlechter Stil, persönliche und berufliche Sorgen – das Sind die Themen dieser erst jetzt gefundenen Briefe, die bisweilen Widerspruch provozieren, doch niemals langweilen und die das Bild Kurt Tucholskys teils bestätigen, teils ergänzen und korrigieren.

Marcel Reich-Ranicki

Hans Magnus Enzensberger: „Das Verhör von Habana“; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 272 S., Abb., 15,– DM

Einige der geschlagenen Invasoren der Schweinebucht-Affäre (1961) wurden nach ihrer Gefangennahme von kubanischen Journalisten öffentlich, in Anwesenheit der Massenmedien, verhört: Enzensbergers Bearbeitung der Aufzeichnungen jenes Verhörs führt eine Handvoll Männer vor, die in haltloser Lage – ununterrichtet, mißbraucht, im Unrecht und besiegt – sich vor ihren Landsleuten und Gegnern irgendwie herauszureden suchen; auf die aufschlußreichen Finten ihrer Logik kommt es an. Dieter E. Zimmer