1968 und 1969 sind ebenso aufregende wie ungewöhnliche Jahre für den großen internationalen Glaskonzern Saint Gobain (Paris) gewesen. Vor zwei Jahren konnte die Geschäftsleitung unter dem Vorsitz des Präsidenten Arnaud de Vogue den Übernahmeversuch des kleineren Konkurrenten BSN zum Scheitern bringen. 1969 wurde die Fusion mit der größten französischen Industrieholding „Pont à Mousson“ beschlossen, die im Juni dieses Jahres endgültig durchgeführt wird. Die Umsätze des erweiterten Konzerns werden bei rund 150 000 Beschäftigten 12 Milliarden Franc übersteigen.

In der letzten Bilanz in der heutigen Form, die Saint Gobain für 1969 vorlegt, spiegeln sich bereits die grundlegenden Strukturwandlungen wider. So wurden bereits eine Million Aktien in Vorausnahme der Fusion an die Suez-Gruppe abgetreten, die die Fusion finanziert. Unter Berücksichtigung der veränderten Währungsrelation haben sich die konsolidierten Konzernumsätze von 4,2 Milliarden Franc im Jahr 1968 auf 5 Milliarden Franc 1969, also um knapp 20 Prozent, erhöht. Für die Aktionäre, denen man während der Übernahmekämpfe mit BSN große Versprechungen gemacht hatte, sind aber die Geschäftsergebnisse des letzten Jahres etwas enttäuschend ausgefallen.

Der Reingewinn ist zwar von 91 Millionen Franc 1968 auf 108 Millionen Franc im vergangenen Jahr gestiegen, doch er verteilt sich jetzt auf ein von 865 Millionen auf 1,1 Milliarden Franc erhöhtes Aktienkapital. Auch werden diesmal größere Rückstellungen gemacht als im Vorjahr. Die Dividende 1969 wird daher – unverändert – wieder auf 5,60 Franc pro Aktie im Nennwert von 75 Franc festgesetzt. Saint Gobain wird in den nächsten Monaten erheblich investieren und seine Produktionsanlagen, vor allem für die Erzeugung von Flußglas, Glasverpackungen, Textil- und Isolierungsfibern, kräftig ausbauen. Auch in der Bundesrepublik werden mehrere neue Konzernfabriken gebaut. ek