Trauer muß der Anwalt tragen; das Bundesverfassungsgericht ist für das „lange Schwarze“. Das Gericht sagt nicht, daß Roben noch wünschenswert sind oder zeitgemäß. Es hat nur entschieden, daß sie aus Erwägungen des Gemeinwohls zweckmäßig erscheinen und die Pflicht, sie zu tragen, den Anwälten zumutbar ist. Damit ist der Robenzwang mit der vom Grundgesetz garantierten Berufsausübungsfreiheit vereinbar.

Die Meinung des Bundesverfassungsgerichts spiegelt die Meinung der Richtergeneration, die in höchsten Gerichten nun einmal überwiegt. Für jede Gelegenheit hat sie im Schrank das passende Kleid: für Theater und Konzert den Silberschlips, für Skat und Fußball die Freizeitjacke, die Robe fürs Gericht. Das ist so, weil es so ist. Es läßt sich nicht denken, sondern nur glauben.

Die Argumente lauten: „gute Ordnung“ und „angemessene Formen“. Daß es nun auch die Argumente der höchsten Richter sind, macht sie nicht überzeugender. Wenn Unabhängigkeit sich wirklich durch Roben dokumentiert, warum präsentieren sich dann Laienrichter fast ausnahmslos robenlos? Dies ist die eine Seite: Rechtsprechung als Kleiderfrage. Die andere Seite ist: Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen. Die Spielregeln verlangen, daß wir den Spruch respektieren. Daß wir ihn auch für richtig halten, verlangen sie nicht.

W. Dph.