Manche der Damen und Herren, die zum diesjährigen, dem XII. Deutschen Kunsthistorikertag nach Köln gekommen waren, um dort den, gewiß verdienten, alljährlichen privaten Plausch und fachlichen Schnickschnack mit den Kollegen vom Dienst zu genießen, werden, wieder nach Hause zurückgekehrt, dort je nach Lage für sich selber memorieren oder zu erzählen wissen, daß nun auch die bis dato heile Welt der Kunstgeschichte vor dem Zugriff der berufsmäßigen Umfunktionierer nicht mehr sicher ist. Daß diese Welt jedoch nicht etwa deshalb so lange vergleichsweise heil geblieben ist, weil sie so perfekt war, sondern nur, weil die Kunstgeschichte ein Fach ist, das ohnehin hör; de concours stattfindet – das wurde von den Idyllikern, die sich ohnehin eigentlich nur nach rückwärts verpflichtet fühlen, gern übersehen.

Nach „Köln“ jedoch, wo am ersten Tag aus Anlaß des Themas „Die Kunstgeschichte und ihre Institutionen heute“ die Kunstgeschichte mit der Kunstgegenwart in leibhaftiger (nämlich studentischer) Gestalt kollidierte, wird, wer sich nicht selber gleich die Pensionsreife attestieren möchte, mit Anti-Schlagwörtern zukünftig nicht mehr auskommen. Denn was bei denen, die sich durch in der Mehrzahl sehr präzise Fragen, Angriffe und Resolutionen der Studenten nicht umfunktionieren lassen wollten, eigentlich nur noch funktionierte, war der Abwehrmechanismus: Was sollen uns hier so irrelevante Fragen wie die nach der Relevanz unseres Faches!

Aber die Kunstgeschichte hat glücklicherweise auch heute schon einen Nachwuchs (auch Mittelbau genannt), der über die notwendigen Reformen bereits exaktere Vorstellungen hat, als es die Altvorderen anerkennen mögen und die Studenten anerkennen können. Der im Anschluß an den Kunsthistorikertag 1968 vorwiegend von Assistenten, Stipendiaten und Volontären gegründete „Ulmer Verein“ hat in Köln eine Dokumentation zur Situation des Faches vorgelegt, die inklusive der elf darin aufgestellten Leitsätze die Basis für alle weiteren Diskussionen sein könnte, sein muß.

„Die Kunstgeschichte und ihre Institutionen heute“ haben nicht nur, das machte das Referat von Stephan Waetzoldt (siehe Seite 16) klar, mit sich selber ins reine zu kommen, um zu einem neuen Selbstverständnis zu gelangen. Sie müssen sich auch gegen staatliche Einschränkungen behaupten. Das jedoch ist unmöglich, solange – um Volker Plagemanns Referat zu zitieren – Kunsthistoriker „in der Regel arbeiten ohne einen umfassenden Begriff von mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Beziehung tretender Wissenschaft, ohne eine Vorstellung von der Rolle ihrer Disziplin im Gefüge der Wissenschaft und ohne Einsichten in gesellschaftliche Aufgaben ihrer Disziplin“.

Daß der Prozeß der produktiven Auseinandersetzung mit dieser Krisensituation erst begonnen habe, stellte Tilmann Buddensieg fest, seit zwei Jahren Vorsitzender des Verbandes. An ihm, das machte sein Referat deutlich, wird es gewiß nicht liegen, wenn die Krise der Kunstwissenschaft auch weiterhin nur eine Krise bleibt. Petra Kipphoff