Erfurt, Kassel und die Deutschlandgespräche, das ist eine Sache. Und gewiß nicht nur für die Optik. Aber bei den Christdemokraten hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, daß Wahlkämpfe damit kaum zu gewinnen sind. Die Preise werden – so fanden Demoskopen – weit mehr beachtet. In der Rangfolge stehen sie an erster Stelle. Die der Mieten sind kräftig angestiegen. Kein Wunder, daß die CDU diese Munition nach internem Wahlkampf nun scharf machen möchte.

Im Jahr 1968 stiegen die Mieten um 7,6 Prozent, im vergangenen Jahr um kaum weniger, um 7,3 Prozent nämlich. Auch die Wohnbeihilfen sind in die Höhe geklettert. 1970 rechnet man erstmals mit einer Milliarde Mark. Doch hat es den Anschein, als spielten diese Millionen eher den Hausbesitzern in die Hände und schürten den Mietauftrieb. Denn auf die Mieten stabilisierend wirkte dieser Sozialbeitrag bestimmt nicht.

Die Union, deren Produkt das Wohngeld zwar ist, wird sich kaum scheuen, die hohen Mieten auszuspielen. Vom Mietdirigismus wollen auch Sozialdemokraten nichts mehr wissen; und solange nicht ein Überangebot den Wettbewerb fördert, dürfte Minister Lauritzen die Unionsattacken nur sehr lau abwehren können. Selbst der Plan, in den nächsten zehn Jahren fünf Millionen neue Wohnungen – davon rund die Hälfte sozial – zu bauen, braucht Zeit. Und wie will er bauen – ohne Geld? Also noch eine Reform auf Wechsel, doch auch die werden fällig – nur später. hff