Es stimmt gar nicht, daß wir finanziell zugunsten von St. Gobain interveniert hätten. Wir haben nur moralische Hilfe geleistet“, wehrt Jacques Georges-Picot heute in gespielter Bescheidenheit ab, wenn er nach der Rolle der Suez-Compagnie in dem vor einem Jahr mit Bomben, harten Worten und ganzseitigen Zeitungsanzeigen geführten Kampf gegen die Übernahme des Glaskonzerns Saint-Gobain durch den Konkurrenten BSN gefragt wird.

Wie auch immer – die Suez-Gesellschaft ging aus dem mit härtesten Bandagen geführten Kampf nicht ohne Trophäe hervor. Nach der bevorstehenden Fusion von Saint-Gobain mit dem Stahlgiganten Pont-a-Mousson wird Suez 20 Prozent des dann größten französischen Unternehmens kontrollieren. Verlierer ist die Banque de Paris, die auf Seiten von BSN gefochten hatte.

Die bis dahin mächtigste französische Geschäftsbank hatte bereits im Herbst 1968 ihre erste schwere Niederlage gegen Suez erlitten, als sie versucht hatte, die größte private Depositenbank Frankreichs, den Crédit Industriel et Commercial (CIC) unter ihre Kontrolle zu bringen. Die wilden Kurssprünge der CIC-Aktien zeigten bald an, daß die Aktion auf Widerstand stieß. Suez-Präsident Georges-Picot hatte beschlossen, sein Unternehmen in die erste große Kraftprobe mit der Banque de Paris zu schicken. In deren Hauptquartier mußte man bald einsehen, daß der Kampf aussichtslos war. Die Banque de Paris mußte sich von einigen ihrer Aktienpakete trennen, um den Kampf gegen Suez durchhalten zu können, und schließlich doch die Waffen strecken.

Die Gründer des Unternehmens hatten ganz andere Aufgaben vor Augen, als sie 1858 die Suez-Compagnie ins Leben riefen. Sie sollte den Bau und den Betrieb des Suez-Kanals übernehmen. Bis zur Nationalisierung des Kanals 1956 – zwölf Jahre vor Ablauf des auf 99 Jahre abgeschlossenen Pachtvertrages – hatte sich die Gesellschaft auch kaum mit anderen Aufgaben beschäftigt. Nach der Vertreibung aus Ägypten mußte sie sich ein anderes Betätigungsfeld suchen.

Der Finanzstratege, der die Metamorphose von der Kanalbetriebsgesellschaft in der Wüste zur dominierenden Finanzholding Frankreichs im Rekordtempo vorantrieb, war Georges-Picot, der aus dem illustren Kreis der Inspecteurs des Finances stammt. Die Mittel für seinen Einkaufsbummel an der Pariser Börse flossen ihm aus den seit 1958 in Raten gezahlten 320 Millionen Franc Entschädigung für die Enteignung des Kanals zu. Zusammen mit aus früheren Jahren stammenden Reserven besaß er so eine Manövriermasse von rund einer Milliarde Franc.

Damit erwarb er zunächst in sehr vielen Branchen kleinere „Horchposten-Beteiligungen“, um die zukünftigen Chancen eines größeren Engagements beurteilen zu können.

In einer zweiten Phase gliederte sich die Suez-Compagnie dann Bankgruppen und größere Industriebeteiligungen an. Von der wichtigsten Übernahme kündet der heutige Firmenname: Compagnie Financiere de Suez et de l’Union Parisienne. Die Banque de l’Union Parisienne ist die viertgrößte französische Geschäftsbank und brachte als Mitgift wertvolle Beteiligungen im Finanz- und Industriebereich mit in die Ehe.