Nach einem kurzen Aufenthalt in Texas und einer zweitägigen Ruhepause in Camp David im US-Bundesstaat Maryland wird Bundeskanzler Brandt Ende der Woche mit Präsident Nixon zusammentreffen. In den Besprechungen in Washington werden die Ostpolitik der Bundesregierung, die künftige Politik im westlichen Bündnis und das Verhältnis zwischen den USA und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft behandelt werden.

Die Gespräche des Kanzlers waren bereits seit dem Anfang der Woche durch Staatssekretär Egon Bahr und die Minister Schmidt und Möller vorbereitet worden. Bahr traf in Washington unter anderem mit dem außenpolitischen Berater Nixons, Henry Kissinger, zusammen. Bundesverteidigungsminister Schmidt beriet mit seinem Amtskollegen Laird und mit Außenminister Rogers über die künftige Bündnispolitik. Finanzminister Möller besprach in Washington Finanz- und Währungsfragen.

Der Bundeskanzler hatte am Wochenanfang seinen Besuch bei der Raketenschule der Luftwaffe in Fort Bliss, Texas, beendet. Während seines Aufenthaltes, der unter dem Eindruck der Ermordung Botschafter von Spretis stand, hatte Brandt ausführliche Gespräche mit den in Fort Bliss stationierten Soldaten, Brandt kündigte den Soldaten an, daß in Bonn geprüft werden solle, ob man den USA nicht den Abschluß eines Stationierungsabkommens vorschlagen, könne.

Bei seinem Eintreffen in den USA war Brandt ein sehr herzlich gehaltenes Begrüßungsschreiben des amerikanischen Präsidenten überreicht worden. Der Leiter der Europa-Abteilung im State Department, Martin Hillenbrand, bezeichnete Brandt am Tage der Ankunft als einen soliden, substanzreichen und doch visionären Staatsmann.