Als die CDU in Bonn noch die Regierungsgeschäfte führte, gehörte der Vers zu ihrem Credo, daß in Zeiten überschäumender Konjunktur Zurückhaltung bei den Lohnforderungen das Gebot der Stunde sei. Die Maßhalte-Appelle, mit denen vor allem Ludwig Erhard in regelmäßigen Abständen den Gewerkschaften die Schuld an den steigenden Preisen in die Schuhe zu schieben pflegte, sind als wesentlicher Bestandteil der CDU-Wirtschaftspolitik in kritischen konjunkturellen Situationen noch in unguter Erinnerung.

Nun sind aus dem CDU-Hauptquartier andere Töne zu vernehmen. Im Deutschland-Union-Dienst stellte sich Generalsekretär Bruno Heck schützend vor die Gewerkschaften, von denen die Regierung jetzt unbilligerweise verlange, die Kastanien aus dem konjunkturellen Feuer zu holen, das zu löschen sie selbst nicht in der Lage wäre.

So also ändern sich die Meinungen, wenn man nicht mehr auf den Regierungs-, sondern den Oppositionsbänken sitzt – könnte man meinen, wenn der Artikel Hecks nicht so haargenau auf den Kopf Karl Schillers gezielt wäre. Der CDU, so scheint’s, ist im Augenblick jedes Mittel recht, der SPD am Zeuge zu flicken; und sei es auch durch plumpe Anbiederungsversuche bei jenen, die sie gestern noch mit so großer Vorliebe zum Prügelknaben ihrer wirtschaftspolitischen Fehlleistungen machte. kr