Die Zeitungen der DDR haben in den letzten Tagen ihre Kampagne gegen die Bundesrepublik in verstärktem Maße fortgesetzt. Im Mittelpunkt von Leitartikeln des SED-Zentralorgans „Neues Deutschland“ und anderer Zeitungen standen dabei die Forderung an die Bundesregierung, die DDR-Bürger nicht in eine gemeinsame deutsche Staatsangehörigkeit einzubeziehen, sowie der Vorwurf, die SPD/FDP-Bundesregierung habe für „Monopole und Generale“ positive Folgen mit sich gebracht.

Die Opposition in Bonn hat inzwischen bekanntgegeben, daß sie noch vor der Kasseler Begegnung eine Große Anfrage zur Deutschlandpolitik in den Bundestag einbringen will. In ihrer Antwort auf voraussichtlich acht Fragen soll die Bundesregierung unter anderem erklären, ob sie am Selbstbestimmungsrecht festhalten wolle, wie weit sie in der Verfolgung der Zweistaatentheorie gehen wolle, ob sie zu den früheren Grundsätzen eines Gewaltverzichtabkommen stehe oder Verpflichtungen eingehet wolle, die der Bundesrepublik die Forderung nach Wiedervereinigung verböten und ob die Sowjetunion weiter auf den Interventionsrecht nach den Feindstaaten klauseln der UNO-Charta bestehe.

Inzwischen ist in Bonn bekanntgeworden, daß der Staatssicherheitsdienst der DDR gegen Bürger vorgeht, die bei den Erfurter Treffen ihre Sympathie für der Bundeskanzler bezeugt und sich bei Fern sehinterviews mit westdeutschen Korrespondenten freimütig geäußert haben Nach Angaben aus Bonn reichen die Maßnahmen der DDR-Behörden vor Verhören bis zu Festnahmen.