Sogenannte „Denkmaschinen“ erfordern Leute, die denken können. Logisches Denken – das ist das erste und wichtigste bei der Computerfirma IBM (International Bureau Machines). Die Zeiten sind vorbei, in denen gegenüber den Schreibtischen der Mitarbeiter die Aufforderung des Firmengründers Thomas J. Watson prangte: „Think!“, aber auch heute wird bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters zuerst die Fähigkeit zu logisch-analytischem Denken getestet.

Was der Mann studiert hat, ob Mathematik oder Theologie, ob Volkswirtschaftslehre oder Philologie, das ist dem Unternehmen prinzipiell egal. „Wir brauchen Leute, die gelernt haben zu lernen“, sagt Horst Birk, der Chef der Abteilung Personalentwicklung. Vor allem im langen Training sieht man den Vorteil eines „Studierten“. Deshalb nimmt man auch Leute, die ihr Studium nicht abgeschlossen haben – wenn die Gründe für den Abbruch plausibel sind.

Das bedeutet aber nicht, daß IBM Allroundmanager sucht. Im Gegenteil: Es werden Spezialisten gebraucht. Nicht Spezialisten für Datenverarbeitung, sondern Leute, die spezielle Probleme so durchdenken und aufbereiten, daß sie mit Hilfe der Datenverarbeitung zu lösen sind.

„Bei uns ist niemand über den Verdacht erhaben, daß er nicht noch etwas dazulernen könnte“, meint Birk, und so werden alle Mitarbeiter, einschließlich des Generaldirektors, immer wieder zur Schulung geschickt, die Herren in der Managerlaufbahn mindestens sieben Tage pro Jahr, ausgesprochene Spezialisten noch häufiger.

Die steingewordene Verkörperung dieses Prinzips ist die Computer-Schule in Sindelfingen, die Data-Processing- oder DP-Schule, wie sie intern heißt. An dieser Schule werden das ganze Jahr über Fortbildungskurse für die alten Mitarbeiter veranstaltet, und hier erfolgt auch die Ausbildung derjenigen Hochschulabsolventen, die neu zu IBM kommen.

Alle Mitarbeiter, die für einen Bereich eingestellt werden, in dem sie irgendwie mit Datenverarbeitung zu tun haben – und das haben fast alle –, müssen diese sogenannte „Assistenten-Ausbildung“ absolvieren, während der man, je nach speziellen Kenntnissen, 1400 bis 1750 Mark erhält. Im Schnitt sind es dreihundert Assistenten pro Jahr, die durch die Schule geschleust werden. Sie werden in Klassen von 20 bis 30 „Schülern“ aufgeteilt, und normalerweise beginnt jeden Monat eine neue Klasse ihren zwölfmonatigen Ausbildungslehrgang.

Er ist in drei Phasen unterteilt. Phase eins beginnt mit der Vorstellung der IBM. In einem einwöchigen Einführungskursus wird die Organisation des internationalen Konzerns dargestellt, berichten Abteilungsleiter des deutschen Tochterunternehmens über die Aufgaben ihrer Bereiche.