Manövriert Strauß die Union in die rechte Ecke?

Von Rolf Zundel

Bonn, im April

Auf dem CSU-Parteitag an diesem Wochenende werden drei Hauptredner auftreten, die intime Gegnerschaft miteinander verbindet: Altkanzler und CDU-Vorsitzender Kurt Georg Kiesinger, CSU-Chef Franz Josef Strauß und der Fraktionsvorsitzende der Unionsparteien, Rainer Barzel. Ein Abgeordneter der Union charakterisierte ihr Verhältnis so: Barzel und Strauß verstehen sich immer noch besser als Kiesinger und Strauß oder Kiesinger und Barzel. Tatsächlich gibt es zwischen Barzel und Strauß trotz verschiedener Auffassungen über die Strategie der Opposition einen gegenseitigen Respekt für die politische Kompetenz des Partners. Der Altkanzler dagegen scheint für das Konzept der Unionspolitik nur noch von minderer Bedeutung zu sein.

Es entbehrt auch nicht der Ironie, daß das Motto des CSU-Parteitages – "Deutschland braucht Bayern" – ausgerechnet von Rainer Barzel stammt. Im Bundestagswahlkampf hatten ihn bayerische Parteifreunde gebeten, er möge doch bei seinem Auftritt innerhalb der weißblauen Grenzen ein paar herz- und gemütsstärkende Donnerworte von sich geben. Da es Barzel in der deftigen Beschreibung der Apo mit den Lokalmatadoren weder aufnehmen wollte noch konnte, versuchte er das Herz der Parteifreunde zu erwärmen, indem er die große Bedeutung der CSU für die Bundesrepublik schilderte. Ohne die CSU, so erklärte er, hätte es weder einen Kanzler Adenauer noch einen Kanzler Erhard und auch keinen Kanzler Kiesinger gegeben. Daraus lasse sich nur die eine Folgerung ziehen: "Deutschland braucht Bayern". Seine Zuhörer dankten es Barzel mit ohrenbetäubendem Beifall.

Wer den Bayern-Kurier liest, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Barzel mit seiner These offene Ohren gefunden hat. Seit Monaten schon tönt es von München nach Bonn zurück: Die Union braucht Franz Josef Strauß. Von Rainer Barzel freilich ist merkwürdig wenig die Rede. Warum Strauß für die Opposition so wichtig ist, schildert Marcel Hepp den Lesern des Bayern-Kurier mit eindringlichen Worten: "Inzwischen ist Strauß zum meistgefürchteten Gegner der Regierung geworden ... Strauß hat einen neuen Oppositionsstil kreiert. Die Taktik der Umarmung, die anfänglich vielen Oppositionellen opportun schien, hat dann wenig Sinn, wenn die Basis der Gemeinsamkeit zwischen Regierung und Opposition nicht vorhanden ist. Deswegen formulierte und artikulierte der CSU-Chef eine politische Alternative, die dem schleichenden Ausverkaufsstil der Regierung angemessen ist. Erst heute vermag man zu beurteilen, daß Strauß schon vor Monaten richtig lag. Er hat für die jetzt beginnende Phase der harten Konfrontation Pionierarbeit geleistet." Kurzum, so etwa läßt sich das vielstrophige Preislied auf den CSU-Chef zusammenfassen: Strauß ist die treibende Kraft der Opposition.

Auf Konfrontation eingestellt