Von Hans Gresmann

Der meuchlerische Mord an Graf von Spreti, dem deutschen Botschafter in Guatemala, hat Abscheu und Betroffenheit hervorgerufen – zugleich aber auch einen emotionalen Impuls, der auf den allenthalben formulierten Imperativ hinausläuft: Da muß man doch etwas tun!

In der rationalen Besinnung, die auf diesen ersten Impuls folgt, stellt sich freilich sehr rasch die Frage: Aber was? Die Bundesregierung hat die Pflicht, ihre Diplomaten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen. Doch es stehen ihr eben nicht viele Mittel zur Verfügung. Die Zeiten, da man in solchen Fällen Kanonenboote oder gar ein Expeditionskorps schickte, sind vorbei. Heute gilt als Sanktion nur der Abbruch der diplomatischen und darüber hinaus vielleicht der wirtschaftlichen Beziehungen – wobei das letztere im privatwirtschaftlichen System gar nicht so einfach ist.

Bonn ist zur Stunde nicht so weit gegangen, die diplomatischen Fäden völlig zu zerschneiden, es hat sie nur verdünnt. Und dies offenbar aus der Überlegung, daß man jede Aktion vermeiden möchte, die den Rebellen, die den Mördern Spretis in die Hände spielen könnte. Zudem bleibt die Bundesregierung ja auch weiterhin verantwortlich für den Schutz der in Guatemala lebenden Deutschen – unter ihnen eine ganze Anzahl von Entwicklungshelfern.

Aber selbst wenn Bonn sich entschließen sollte, am Ende auch die letzten Diplomaten – und mit ihnen vielleicht die Entwicklungshelfer – abzuziehen, so bliebe der Effekt dieses Schrittes doch überaus fragwürdig. Zwar würde – und das ist wahrhaftig nicht geringschätzig gemeint – dem nationalen Stolz Genüge getan, aber auf die machtpolitische Realität – etwa in den lateinamerikanischen Staaten – hätte ein solcher Schritt wohl kaum eine Auswirkung.

Mit anderen Worten: Im Spannungsfeld zwischen den Rebellen, die mit ihrer Durchsetzungsbrutalität vor nichts zurückschrecken, und den etablierten Führungsmächten, die ihren Beharrungsanspruch mit einer nicht geringeren Brutalität verfechten, bleiben die Diplomaten auch in Zukunft in ihrer Rolle als potentielle Geiseln stets gefährdet.

Terror, Entführung und Mord sind nach unserem und dem noch gültigen internationalen Rechtsempfinden verabscheuungswürdige Delikte. In einer Erklärung zur Ermordung Graf Spretis hat Bundesaußenminister Scheel eine humanitäre Internationale gegen die aufbrechende Gewalt gefordert. Alle Regierungen müßten sich der schwerwiegenden Gefährdung der gemeinsamen Interessen bewußt werden und Schritte unternehmen, „um solche barbarischen Formen politischer Auseinandersetzung in Zukunft zu verhindern“.