Eine Lizenz zum Betrieb einer kommerziellen Fernsehstation sei so gut wie ein Münzregal (eine Erlaubnis zum Druck von Banknoten), verkündete vor Jahren Großbritanniens Presselord Thompson, Besitzer von 183 Zeitungen und lange Zeit Alleinbesitzer der Scottish Television (regionaler englischer Sender).

Heute ist er froh, daß er seine TV-Aktienmehrheit abtreten mußte – denn die unabhängigen englischen Sender kämpfen gegen die Pleite. Die Regierung mußte bereits auf sechs Millionen Pfund Abgaben aus der „Werbe-TV-Steuer“ verzichten, um einige Gesellschaften vor dem Bankrott zu retten.

An eine Krise im Werbefernsehen hatte früher niemand gedacht. Noch 1967 hatten die 15 kommerziellen Sender zusammen rund 20 Millionen Pfund verdient. Firmen wie Cadbury, Schweppes oder Stars wie Lord Harlech und Elizabeth Taylor engagierten sich im Geschäft mit den viertelstündlich in jede Sendung eingeblendeten Werbespots.

Doch dann legte die Regierung dem Goldesel die Restriktionsfessel um den Hals. Die Abgaben auf die insgesamt über 100 Millionen Pfund Werbeeinnahmen wurden drastisch erhöht: 26 Millionen Pfund flossen direkt in den Staatssäckel, Die Fernsehgewinne schrumpften auf neun Millionen Pfund zusammen.

Weitere drei Millionen Pfund forderte dann der Schatzkanzler in seinem letzten April-Budget – der TV-Goldesel wurde von der Labour Party geschröpft. Hinzu kommt die jetzt fällige und sehr teure Umstellung der Sender auf das Farbfernsehen.

Aber nicht nur die Regierungsabgaben drücken das Geschäft. Die Konsumdämpfungspolitik der Regierung veranlaßt Handel und Industrie, die Werbeetats zusammenzustreichen: von weit über 100 Millionen Pfund gingen die Einnahmen im letzten Jahr auf 95 Millionen Pfund zurück. Um weitere 10 Prozent verminderte sich der Werbegeldstrom im Januar, um 12 Prozent im Februar 1970,

Und genau zu diesen schwarzen Zeiten müssen die kommerziellen Stationen auf Farbe umschalten, wenn sie ihre Fernseher nicht an die – werbefreie – staatliche BBC verlieren wollen.