Von Hakan Hedberg

In der GATT-Gemeinschaft, der internationalen Organisation, die sich um eine faire Zoll- und Einfuhrpolitik ihrer Mitgliedsländer bemüht, gibt es genügend kleine Gauner, aber seit zehn Jahren nur einen Verbrecher: Japan. Japan ist seit langem Weltmeister in der Steigerung von Exporten, aber ein ebenso souveräner Weltmeister in Protektionismus.

Seit der GATT-Konferenz von Tokio, die 1959 stattfand, haben die Regierungen der westlichen Länder – und der Entwicklungsländer – einer japanischen Beteuerung nach der anderen zugehört. Alle Versprechungen sind gebrochen worden. In dieser Zeit hat sich Japan in der Rangliste der führenden Exportländer der Welt vom neunten Platz 1959 auf den fünften 1968 hinaufgearbeitet.

Das Wachstum des japanischen Exports beschleunigte sich: 1958 bis 1963 lag der jährliche Durchschnitt der Steigerungen bei 14 Prozent, 1963 bis 1968 bei 20 Prozent. Die Importe dagegen wurden gedrosselt: Die Zuwachsraten schrumpften von 19 auf 13 Prozent.

Die Intensität der japanischen Beteuerungen verstärkt sich ebenfalls, aber diesen Versprechungen folgen keine Taten. Im Frühjahr 1964 wurde Japan Mitglied des IWF (Internationaler Währungsfonds) und der OECD. Es verpflichtete sich damals, Sorgen wegen der Zahlungsbilanz nicht länger als Begründung für Importrestriktionen zu benutzen. Unternehmen aus anderen OECD-Mitgliedern sollten sich in Japan ebenso frei etablieren können wie japanische in anderen Staaten. 1964 betrug der Überschuß der japanischen Handelsbilanz eine halbe Milliarde Dollar. 1968 war der Überschuß fünfmal so groß, aber der eiserne Vorhang gegen ausländische Konkurrenz auf dem japanischen Markt war im Herbst 1969 genauso unüberwindlich wie im Herbst 1964, als die Japaner ihren 2000 Gästen des Währungsfonds „eine neue Ära“ versprachen.

Während das westdeutsche Wunder – und die, Exportüberschüsse der Bundesrepublik – zustande kam, als das Ausland eine faire Chance hatte, auf dem westdeutschen Markt zu konkurrieren, hat Japans Wunder sich in einem protektionistischen Treibhaus mästen können. Jeder Industriezweig ist zunächst durch so harte Importquoten geschützt worden, daß die ausländische Konkurrenz keine Chance hatte. Später sind Importe dann „liberalisiert“ worden – die Importzölle blieben aber so hoch, daß ausländische Produkte nach wie vor nur in verschwindend geringen Mengen auf den japanischen Märkten vertreten sind.

Wenn ein japanischer Industriezweig die Klasse der Giganten erreicht hat, breitet er sich auf den Weltmärkten aus. Sollte irgendein Land dagegen protestieren, sind die Japaner mit Begriffen wie „Diskriminierung“ und „Verletzung des Freihandelsprinzips“ schnell bei der Hand. Der Import der Supermacht Japan von Fertigprodukten ist dagegen kleiner als die Einfuhr Schwedens – obwohl das japanische Bruttosozialprodukt sechsmal so groß ist wie das schwedische.