Flugreisen nach den USA: Volle Preise für Nabobs und Narren

Von W. D. Rüfenacht

Der pensionierte Polizeioberkommissar Franz Leers aus Hünfeld in der Rhön beliebt zu scherzen. Als Vorsitzender des Deutsch-Amerikanischen Clubs jagt er den Klubfreunden per Rundschreiben („An unsere Mitglieder und Fluginteressenten“) die Angst ein, die er am eigenen Leibe verspürt: „Angst müssen Sie nur dann haben, wenn Sie nicht rechtzeitig das Fluggeld und den Beitrag für den Club bis einen Monat vor dem Abflug überweisen ...“

Die Besorgnis ist verständlich. Der Deutsch-Amerikanische Club zu Hünfeld in der Rhön trachtet, seine Mitglieder mit erhabenen Zielsetzungen („Förderung der europäischen Integration, des europäischen Marktes und der atlantischen Gemeinschaft für die Erhaltung des Weltfriedens“) und billigen Amerikaflügen an sich zu fesseln. Die Verkehrsministerien und die Tarifpolitik der mächtigen IATA (International Air Transport Association) gestatten Organisationen und Vereinen Charterflüge auf der lukrativen Atlantikroute unter den Voraussetzungen: Sie dürfen nicht zu diesem Zweck gegründet worden sein; sie dürfen mit ihren Billigstangeboten nicht werben; sie dürfen außer einem Unkostenbeitrag von 30 bis 40 Mark nichts an den Flügen verdienen.

Talfahrt der Tarife

Die zumeist amerikanischen Chartergesellschaften verkaufen den Flugsitz (in der vollbesetzten Maschine) von Frankfurt nach New-York und zurück zu Preisen zwischen etwa 500 und 700 Mark. Der Vorsitzende Leers gibt das Flugbillett für 645 und 695 Mark weiter, ist damit jedoch längst noch nicht der preiswürdigste Vermittler. Seine Flüge beginnen fast alle in Amsterdam und Brüssel, was die Reise um 30 Mark für den Buszubringer verteuert und den Schluß erlaubt, daß die Chartergesellschaft, der er die Klubfreunde anvertraut, auf westdeutschen Flughäfen keine Landeerlaubnis hat.

Jedenfalls: Zum Broadway fliegt man nicht auf den Flügeln bunter Träume, sondern auf denen günstiger Tarife. Nur ein Nabob oder Narr wird möglicherweise darauf bestehen, für die Flugkarte von Frankfurt nach New York den vollen Normalpreis zu zahlen – einfach weil ihn ein Tausender mehr oder weniger nicht interessiert. Ein Nabob zahlt also (gemäß IATA-Tarifkonferenz von Caracas) für den Hin- und Rückflug in der Ersten Klasse der Linienmaschine einer beliebigen IATA-Fluggesellschaft ohne Rücksicht auf die Saison 3053 Mark und ein Narr, dem’s auf einen Tausender vielleicht doch ankommt, in der Nebensaison 1845 und in der Hauptsaison 2175 Mark.