Von Bernd Andrae

Der Autor dieses Artikels, Professor Dr. Bernd – Andreae, ist Direktor des Instituts für landwirtschaftliche Betriebslehre der Technischen Universität Berlin.

Entwickelte und Entwicklungsländer, beide haben ihre Agrarprobleme. Die Agrarprobleme der Europäischen Gemeinschaft führten zum Mansholt-Plan, der umstritten ist. Die Agrarprobleme der Entwicklungsländer führten zu einer Hungerkatastrophe, deren mutmaßliche Zuspitzung in naher Zukunft den Statistiker erschaudern läßt.

Für den Laien ist es schwer zu fassen, weshalb auf unserem durch die Verkehrsentwicklung so klein gewordenen Erdball Nahrungsüberfluß und Nahrungsmangel dauerhaft und ebenbürtig nebeneinander existieren müssen. Der Fachmann aber weiß, welch große Hindernisse einem Aus gleich hier im Wege stehen.

Kürzlich hat der griechische Agrarökonom Professor Euthymios Papageorgiou in der Zeitschrift „Agricultüral Economic Review“ eine neue Idee entwickelt, wie man den Agrarproblemen der Industrieländer und der Entwicklungsländer gleichzeitig Herr werden könnte. Die Grundgedanken Papageorgious seien hier wiedergegeben, weil sie anregend wirken, auch wenn sie einen gefährlichen Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen Weisheit und Wahn darstellen.

Die Wurzel des Agrardilemmas vieler Industriestaaten liegt darin, daß die Nahrungsproduktion schneller steigt als der Nahrungsverbrauch. Dieses Mißverhältnis schafft zum Beispiel in der EWG große Lager an Weichweizen, Zucker, Butter, Käse, die auf den Markt drücken und zu Lasten des Staatsbudgets, der Erzeuger und Verbraucher gehen. Das Ergebnis sind Agrarpreise, die, gemessen am Weltmarktniveau, zwar relativ hoch, gemessen an den durch die überkommene Agrarstruktur verursachten hohen Produktionskosten aber zu niedrig sind, so daß das landwirtschaftliche Einkommen unbefriedigend bleibt.

Um das landwirtschaftliche dem nicht-landwirtschaftlichen Einkommen anzugleichen, schlägt Mansholt vor, in der Europäischen Gemeinschaft bis 1980