Die hannoversche Regierungskrise hat dazu geführt, daß im Juni außer in Nordrhein-Westfalen und im Saarland auch in Niedersachsen Landtagswahlen stattfinden werden. Drei Entscheidungen am gleichen Tag: das muß die Neigung verstärken, das Gewicht der Juni-Wahlen für die Bundespolitik noch höher zu veranschlagen, als dies wegen Nordrhein-Westfalen ohnehin schon geschehen ist.

Umgekehrt zeigt sich am Beispiel der FDP immer deutlicher, daß sich die Bonner Konstellation auch auf die Länder auswirkt. In Hamburg sind die Freien Demokraten eine Koalition mit der SPD eingegangen, obwohl sie sonst nicht viel davon halten, im Schatten einer absoluten Mehrheit, wie sie ihr Bündnispartner abermals errungen hat, mitzuregieren. In Hannover ist es der CDU nicht gelungen, auch nur einen Teil der FDP-Abgeordneten zum Sturz des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten zu gewinnen, obwohl die niedersächsische FDP keineswegs auf die SPD eingeschworen ist. Und in Nordrhein-Westfalen hat der FDP-Landesvorsitzende Weyer dieser Tage jeder Koalition mit der CDU eine klare Absage erteilt.

In der FDP-Theorie gilt immer noch der Grundsatz, daß die Partei nach beiden Seiten offen sein solle. In der politischen Praxis freilich erweist sich der Sog des Bonner Bündnisses als stärker. C.-C. K.