Normalerweise hätte Eric Warburg seiner Familie und den Freunden ganz gewiß verboten, von seinem 70. Geburtstag am 15. April Notiz zu nehmen, denn er ist ein Feind allen Aufhebens. Nun aber kommen sie doch herbeigeströmt aus Amerika, Schweden, Frankreich, England und werden „die Arche“ füllen – das alte lindenumstandene Holzhaus über der Elbe am Kösterberg in Hamburg –, denn für Eric Warburg gibt es wirklich etwas zu feiern:

Die 1798 gegründete Firma der Warburgs, dieser seit Jahrhunderten mit Hamburg verwachsenen Familie – während der Herrschaft der Braunen mußte sie nach Amerika emigrieren –, hat vor ein paar Wochen endlich den alten Firmennamen wieder annehmen können. Jetzt steht auf dem Briefkopf der Bank: M. M. Warburg – Brinckmann, Wirtz & Co.

Eric Warburg, allem Neuen zugetan, liberal und elastisch dann, wenn es um allgemeine Fragen geht, ungemein traditionsbewußt und von konservativer Strenge dort, wo es sich um. die Familie handelt, besitzt alle jene Eigenschaften, welche die Warburgs nun schon seit Generationen charakterisieren: Philanthropie, puritanische Bescheidenheit, einen durch nichts zu erschütternden Humor und den Hang zum Understatement.

Während manche Bankiers allein daran denken, wie sie das Ihre mehren können, denkt Warburg immer auch daran, wie man denen, die nichts zu mehren haben, helfen kann. Viel Zeit verbringt er damit, Geld für Schulen, Colleges und Müttergenesungsheime zu sammeln. Mag sein, daß ihn diese Tätigkeit in den Augen mancher Kollegen zuweilen „unseriös“ erscheinen läßt.

Was ist wohl das bemerkenswerteste Geschäft, das eure Firma je abgewickelt hat, fragte ich ihn einmal und hoffte, damit irgendeiner historisch interessanten Begebenheit auf die Spur zu kommen – wobei mir das Beispiel des Bankhauses Bleichröder vorschwebte, das Bismarck bei der Finanzierung des Krieges von 1870 zur Seite gestanden hatte und durch dessen Kasse zum Dank dafür die französische Kriegskontribution von vier Milliarden Mark geleitet wurde, Warburg dachte einen Moment nach: „Das bemerkenswerteste Geschäft? Ich glaube, die Hypothek, die mein Vater im Ersten Weltkrieg dem alten Hagenbeck gewährte – sie wurde nämlich auf ein Rhinozeros eingetragen.“

Vater Max M. Warburg, unter dem die Firma Weltgeltung erlangte, gehörte nach dem Ersten Weltkrieg der deutschen Friedensdelegation als finanzieller Sachverständiger an – allerdings legte er dieses Amt vor dem Ende der Verhandlungen nieder, weil er den Versailler Vertrag nicht zu billigen vermochte.

In der „Arche“ mit ihren knarrenden Fußböden und schrägen Decken entdeckte ich neulich, pietätvoll eingerahmt, ein Dokument von 1927, das Max M. Warburg als Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr von Warburg an der Weser ausweist.