Verdächtige Süßstoffe sollten vorsorglich aus dem Verkehr gezogen werden

Von Thomas v. Randow

Nach dem Süßstoff Cyclamat ist jetzt auch das alte Saccharin in Verdacht geraten, Blasenkrebs hervorzurufen. Und Dr. George T. Bryan, Onkologie-Professor an der Universität Wisconsin, der diesen Verdacht aus Ergebnissen von Experimenten mit Mäusen schöpft, warnt: „Obwohl der Zusammenhang zwischen Saccharineinnahme und Blasenkrebs noch nicht endgültig erwiesen ist, wäre es höchst unklug, bis zur Feststellung des mit dem Süßstoff verbundenen Krankheitsrisikos, Saccharin weiterhin zum allgemeinen Verbrauch zuzulassen.“

Der amerikanische Forscher und seine Kollegen Dr. Erdogan Erturk und Dr. Osamu Yoshida bedienten sich der gleichen Methode, mit der Bryan vor einigen Monaten mit dem künstlichen Süßstoff Cyclamat Blasenkrebs bei Mäusen hervorgerufen hatte; jenes Resultat hatte mit dazu beigetragen, daß Cyclamate in den Vereinigten Staaten nur noch für Zwecke der Krankendiät abgegeben werden dürfen.

In zwei Experimenten pflanzten die Wissenschaftler kleine Plättchen aus einer Natriumsaccharin-Cholesterin-Mixtur in die Harnblasen von je hundert Mäusen. Das Cholesterin hatte dabei die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß das Saccharin nur in kleinen Dosen kontinuierlich in den Urin gelangte.

Freilich mußte sichergestellt werden, daß nicht etwa das Cholesterin für die Veränderungen an der Blase allein verantwortlich war. Deshalb wurden weiteren zweimal hundert Mäusen nur Cholesterinplättchen in die Harnblase implantiert.

Nach dreizehn Monaten ergab sich: Bei 47 Prozent der Mäuse, die Saccharin erhalten hatten, war Blasenkrebs entstanden. Hingegen hatte sich dieser Krebs nur bei dreizehn Prozent der Tiere entwickelt, denen lediglich Cholesterinplättchen in die Blasen praktiziert worden waren. Das zweite, gleichartige Experiment, das zur Absicherung des Ergebnisses ausgeführt worden war, hatte ein ähnliches Ergebnis: 52 Prozent Blasenkrebs bei den mit Saccharin behandelten Mäusen, dagegen nur zwölf Prozent bei den Tieren, die lediglich Cholesterin erhalten hatten.