In der EWG spielen bisher technologische Spitzenerzeugnisse die Rolle von Mauerblümchen. Vom europäischen Großmarkt profitieren sie so gut wie gar nicht.

Jede Regierung eines Mitgliedstaates als jeweils wichtigster Kunde der Wirtschaftszweige Atomindustrie, Elektronik, Nachrichtentechnik und der Luft- und Raumfahrtindustrie kaufte bislang nur bei den eigenen Produzenten. Nur Holland gab erstmals ein Atomkraftwerk außer Landes in Auftrag, und zwar bei Siemens.

Das soll sich nun schnell ändern. Die Brüsseler Europa-Kommission überreichte den sechs Mitgliedsregierungen sowie den Verbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein 350-Seiten-Dokument zur europäischen Industriepolitik.

In Zukunft soll sie nicht mehr vornehmlich dazu dienen, überlebte Strukturen in die Neuzeit zu retten. Zusammen mit der Empfehlung, die EWG als größte Handelsmacht der Erde solle gewisse Produktionen gefälligst weniger entwickelten Ländern überlassen, ergeht der Appell der Kommission: Schafft europäische Wachstumsindustrien, multinationale, transnationale Großunternehmen kontinentaler Dimension, öffnet ihnen den großen Markt der EWG und bedenkt sie bevorzugt mit öffentlichen Aufträgen.

In die gleiche Richtung zielt ein Memorandum der französischen Regierung. Es wurde vom Außenministerium erarbeitet und hat daher einiges politisches Gewicht. Paris erklärt in diesem Dokument seinen Willen, mit den europäischen Partnern in wichtigen Bereichen der Zukunftsindustrien zusammenzuarbeiten, bis hin zur Vereinigung von Unternehmen verschiedener Nationalität.

Die Forderungen der Brüsseler und Pariser Planer sind verwandt. Prinzipien des Wettbewerbs, der unternehmerischen Eigeninitiative werden betont. Keineswegs soll die EWG-Industriepolitik „administrative Superstrukturen“ schaffen helfen. So formuliert man in Brüssel, und Paris ergänzt: Nicht die Zusammenarbeit der Staaten soll in erster Linie organisiert werden, sondern die der Unternehmen.

In beiden Vorschlägen, die in den nächsten Monaten die Grundlage einer breiten Diskussion der Regierungen, Parlamente, Arbeitgeber und Arbeitnehmer bilden sollen, sind die wesentlichen Orientierungspunkte: