Kaum hatten sie ihr Gepäck in den Kabinen verstaut, war für die 458 Passagiere der „Enrico C.“ die Osterkreuzfahrt auch schon zu Ende. Der italienische Reeder Costa mußte am Gründonnerstag seine Fahrgäste zum Verlassen des Schiffes auffordern. Grund: Die Hafenverwaltung von Genua verweigerte die Erlaubnis zum Auslaufen.

Der Chef des Hafenamtes stand vor der Entscheidung, entweder die Ausfahrt der „Enrico C.“ zu blockieren oder einen Generalstreik im Hafen von Genua zu riskieren. Er entschied sich dafür, den österlichen Arbeitsfrieden nicht zu gefährden.

Der Grund für den Hader zwischen der Costa-Reederei und der Hafenverwaltung liegt in Differenzen zwischen dem Gewerkschaftsfunktionär Luciano Gentile (gentile heißt soviel wie freundlich) und den „Enrico-C.“-Eignern. Signor Gentile, Nachtsteward auf der „Enrico C.“, hatte auf der letzten Südamerikareise des Luxus-Liners einen Passagier mit ziemlich unfreundlichen Worten bedacht – im Bordprotokoll allerdings angegeben, daß die ins Dunkel einer Südseenacht geschleuderten Worte nicht dem Passagier gegolten hätten, sondern seinem Vorgesetzten.

Wieder zu Hause in Genua angelangt, wollten ihn die Reeder entlassen oder zumindest disziplinarisch maßregeln. Die Gewerkschaft stellte sich jedoch hinter den Steward. Aus Furcht vor einem von Gewerkschaften angedrohten Streikchaos benutzte der Hafenkapitän einen Paragraphen des Seerechts als Rettungsanker.

Er begründete sein Startverbot mit „unzureichender Besetzung“ des Kreuzfahrtschiffes. Zwar war die zum Auslaufen erforderliche Mindestbesatzung von 151 Seeleuten auf der „Enrico C.“ vorhanden. Aber nach der vom Seerecht vorgeschriebenen Kategorisierung fehlten: ein Mechaniker, ein Heizer, zwei Schmierer und ein Schiffsjunge.

Der Gewerkschaft gelang damit, was vorher mißlungen war: Bei ihrer letzten Ausfahrt aus dem Heimathafen Genua war die „Enrico C.“ in den heißen Streikherbst geraten. Als die streikende Minderheit der Costa-Mannschaft noch am Ufer lamentierte, dampfte die „Enrico C.“ kurzerhand von dannen. grö