Wie wenig sich die scharfe Diskonterhöhung der Deutschen Bundesbank auf die Kurse an den deutschen Börsen ausgewirkt hat, zeigt ein Vergleich der Schlußkurse des Monats März mit denen von Ende Februar. Es ergaben sich nur unwesentliche Kursveränderungen, wobei bemerkenswerterweise zwei Drittel der Werte höher notieren als am Ende des Vormonats. Hierin spiegelt sich deutlich die Auffassung des Berufshandels wieder, daß die Notenbank jetzt ihr Pulver verschossen hat und mit einer weiteren Verschärfung des restriktiven Kurses nicht mehr zu rechnen ist. Bisher ist das Publikum dieser optimistischen Prognose noch nicht gefolgt: Das erklärt auch, daß sich die Bewegung der Kursnotierungen in engen Grenzen hielt.

Ebensowenig wie man von echten Kursgewinnen sprechen kann, gab es schwerwiegende Kurseinbrüche. Das gilt ebenso für die international bekannten Standardwerte der deutschen Börse wie für die kleineren Publikumsgesellschaften. Mangels Anregungen war die Unlust der Anleger durch nichts zu beseitigen. Selbst die früher so „verläßlichen“ Abfindungskandidaten versagten im letzten Monat als Stimulanz.

Immer mehr Unternehmen legen jetzt die Zahlenwerke für das abgelaufene Geschäftsjahr 1969 vor. Dabei zeigt es sich, daß die Gewinnschätzungen trotz optimistischer Beurteilungen vielfach noch zu niedrig angesetzt waren. In nicht weniger als 18 Fällen mußte eine Korrektur nach oben vorgenommen werden.

Wie wenig sich aber die Börse von den Gewinnen des laufenden Geschäftsjahres verspricht, zeigt ihre Reaktion auf die guten Abschlüsse für das Vorjahr. In keinem Fall schnellten die Notierungen selbst derjenigen Gesellschaften hoch, deren Bilanz auch für den Aktionär nichts zu wünschen übrig läßt. Auch die spürbare Verbesserung des Preis/Gewinn-Verhältnisses konnte die Anleger nicht aus ihrer Reserve herauslocken.

Sorgenkinder sind vor allem die Chemie-Aktien. Die großen drei der Chemie erreichten im März neue Tiefstkurse, obwohl ein Anleger nur das 9,2- bis 10,8fache eines Jahresgewinnes für sie anzulegen braucht. Hier wird einmal mehr deutlich, daß diese Riesen der deutschen Industrie mit ihrem multinationalen Geschäft für den nationalen bundesrepublikanischen Markt zu groß geworden sind. Was sie brauchen, ist auch ein internationales Aktionärspublikum, wenigstens aus jenen Ländern, in denen diese Gesellschaften heftig investieren. D. Z.