Nach dreißigstündigen Koalitionsverhandlungen einigten sich in der vergangenen Woche Sozialdemokraten und Freie Demokraten in Hamburg zum dritten Male seit 1946, gemeinsam eine Regierung zu bilden.

Obwohl die SPD bei den Bürgerschaftswahlen am 23. März mit 55,3 Prozent Stimmenanteil erneut die absolute Mehrheit erreicht hatte, verzichtete, sie auf Bonner Wunsch auf eine Alleinregierung. Durch die Regierungskoalition mit den Freien Demokraten, die einen Stimmenzuwachs seit der Bundestagswahl von 6,3 auf 7,1 Prozent verbuchen konnten, erhoffen sich die Sozialdemokraten eine Stärkung der Bonner Regierung.

Die FDP hatte ihre Regierungsbeteiligung in Hamburg davon abhängig gemacht, daß die Bildungspolitik in der Hansestadt absoluten Vorrang erhält. Zu einem Kompromiß kam es in der Aufteilung des Bildungsressorts, das die FDP für sich gefordert hatte: Schule und Universität wurden nach Berliner Vorbild zwei selbständigen Behörden zugeschlagen. Die SPD stellt den Senator für Schule, Jugend und Berufsbildung, die FDP erhält die Behörde für Wissenschaft und Kunst. Mit der Finanzbehörde fiel ein weiterer Senatorensitz an die FDP.

Die Hamburger SPD, seit 1946 mit nur vierjähriger Unterbrechung in der Regierungsverantwortung, hat in dieser Legislaturperiode das Nachfolgeproblem für Bürgermeister Weichmann zu lösen. Noch scheint die Entscheidung über den künftigen Hamburger Regierungschef nicht gefallen zu sein, doch räumt man dem neuen Vizebürgermeister und Schulsenator Schulz die größten Chancen ein.