Von Wolf Donner

Eddie ist ausnehmend hübsch und sexy, sie sieht in jeder Verkleidung anders, aber immer anziehend und verführerisch aus. Durch die Hauptrolle in diesem Film wurde sie zum teuersten und begehrtesten Showstar Japans. Sie spielt, singt und tanzt im Fernsehen und ist das beliebteste Mannequin für Teenagermoden. Eddie heißt eigentlich Shinnosuko Ikehata, wird in Japan nur Peter genannt und ist ein Junge von siebzehn Jahren.

Der Regisseur Toshio Matsumoto hat ihn als Animierknaben in einem Tokioter Lokal entdeckt. Er versprach ihm und seinen Kollegen eine faire Darstellung der gay boys, sie willigten ein, und das Ergebnis ist ein so zweifelhafter wie außergewöhnlicher Film; in der letzten Woche wurde er in München für Deutschland erstaufgeführt.

Das fängt an mit der Geschichte, einem der Tradition bombastischer japanischer Sexschinken scheinbar gut anstehenden Reigen von Transvestiten, Huren und Rauschgifthändlern; da stehen Orgien, Mystizismen und Perversionen neben theatralischem Horror- und Gruselkitsch, funkeln lange Brotmesser und quillt Blut in Strömen.

Gonda, ein Rauschgifthändler, lebt zusammen mit Leda, einem Transvestiten und Leiter seines Homophilen-Lokals „Genet“. Aber er liebt den gay boy Eddie, den Leda vergeblich zu beseitigen versucht. Als Leda von Gonda verstoßen wird, bringt er sich um. So avanciert der kleine Eddie, der von Erinnerungen an den grausigen Mord an seiner Mutter gequält wird, zur „Chefin“ des Lokals und zieht zu Gonda. Der entdeckt jedoch schon nach der ersten Nacht zufällig, daß Eddie sein eigener Sohn ist. Und nun fließen noch mehr Blut und Tränen.

Matsumotos Spielfilm-Debüt (er wurde zweimal für Dokumentarfilme in Venedig ausgezeichnet) wird spannend und faszinierend in dem Maße, wie er diese wüste Geschichte verfremdet zu einem souveränen Vexierspiel von Parodien japanischer Traditionen, Gags, ironischen Distanzierungen, faustdicker Symbolik und Mythentravestien. In dem verwirrenden Bezugs- und Verweisungsgeflecht dieser Moritat wird nichts ernst genommen und stimmt doch alles.

Es lohnt sich, allein den verschiedenen Handlungs-Elementen nachzugehen, die, jeweils durchaus plausibel und konsequent, die ungewöhnliche Handlung und das Treiben der Transvestiten rechtfertigen.