Die SPD-Führung von Nordrhein-Westfalen billigte den Plan, den Klaus Liepelt, Chef des Godesberger Infas-Instituts, mit einem Dortmunder Parteisekretär ausgebrütet hatte. Beide hatten die wahnwitzige Idee, Wähler in Nordrhein-Westfalen in besonderen „graphischen“ Listen zu katalogisieren: Jeder Wahlberechtigte erhält eine Nummer – SPD-Mitglieder werden mit einem roten Punkt gekennzeichnet; Sympathisanten erhalten einen roten Kreis, politisch Gleichgültige ein rotes Sternchen, SPD-Gegner und CDU-Mitglieder ein rotes Dreieck. Funktionäre und Mitglieder der SPD wurden von ihrem Landesvorsitzenden, dem Ministerpräsidenten Kühn, aufgefordert, sich an dieser „Kundenkartei“ zu beteiligen. Zweck des ganzen Unternehmens Potentielle SPD-Wähler sollen für die Landtagswahl am 14. Juni mobilisiert werden.

Nun denn – ginge es den Sozialdemokraten lediglich um die Betreuung ihrer Wähler, viel wäre dagegen nicht zu sagen. Doch solche Erfassungslisten in der Hand eines mächtigen Parteiapparats, der die politische Haltung eines jeden Bürgers systematisch archiviert und registriert? Zumal dies alles anonym und ohne Wissen des Bürgers geschehen soll? Die Gefahr des Mißbrauchs solcher Karteien ist evident. Parteispitzel und Dossiers passen nicht zu unserem Staat: Uns schaudert. v. K.