Die Besitzer von Pfandbriefen und Anleihen sind beklagenswerte Leute. Da sitzen sie seit Monaten auf ihren Sechs- und Siebenprozentern und müssen ohnmächtig zuschauen, wie die Notierungen ihrer Rentenpapiere immer tiefer absacken. Kaum aber erblickt eine mit acht Prozent zu verzinsende Anleihe das Licht der Börse, so ist sie im Handumdrehen ausverkauft. Wer auch nur ein paar Tage zögerte, weil er sich vielleicht nicht sicher war, ob mit diesem Zinssatz bereits das Optimum erreicht ist, hatte das Nachsehen.

Daß inzwischen auch die mit einem niedrigeren Zinssatz ausgestatteten Rentenpapiere nach dem langen Kursverfall praktisch die gleiche Rendite bieten, scheint den meisten Anlegern zu entgehen. Sie lassen sich von der Optik der acht Prozent blenden. Am Geld kann es nicht liegen; denn sonst würden ja auch die Achtprozenter keine Käufer finden.

Sechsprozenter werden heute bereits zu 82 oder 83 Prozent ihres Nominalwertes gehandelt; und die Siebenprozenter notieren mit 91 oder 92 Prozent. Sie bieten außerdem neben der hohen Rendite noch die Chance eines kurzfristigen Kursgewinns, wenn der hohe Zins wieder zurückgehen sollte. Und ein allzu langes Leben dürfte in einem hochindustrialisierten Land wie der Bundesrepublik ein so „exotischer“ Zinssatz wie gegenwärtig kaum haben. Bisher jedenfalls sind es nurwenige Kapitalanleger, die sich von der glänzenden. Optik der acht Prozent nicht haben blenden lassen. Anders ist es kaum zuerklären; daß die Kurse der älteren Anleihen immer weiter fallen. mh