Franz Mai, promovierter Jurist und Intendant des Saarländischen Rundfunks, hält eine private Rundfunkgesellschaft im Saarland „nicht für verfassungskonform“. Roman Herzog, Rechts-Professor und ehemaliger Dekan der Juristischen Fakultät an der FU Berlin, hält wiederum dafür, daß das von Mai und seinen bundesdeutschen Intendanten-Kollegen gehütete öffentlich-rechtliche Rundfunkmonopol mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei.

Herzog plädiert in einem Gutachten, das er innerhalb weniger Wochen für die FDP-Fraktion im Saarländischen Landtag angefertigt hatte, für die Konzessionierung der Freien Rundfunk AG (FAG), die im Saarrevier den privaten Betrieb eines Rundfunksenders aufnehmen will.

Die Voraussetzungen dafür schuf das Parlament des Saarlandes im Juni 1967 an einem einzigen Tag. Die Koalitionsparteien CDU und FDP-DPS, unterstützt von fünf oppositionellen SPD-Parlamentariern, legten an diesem Tag vertrauensvoll die Entscheidung über die Zulassung privater Funk-Unternehmer in die Hand der Saarbrücker Regierung.

Und sogleich meldeten sich Bewerber an. Vereinigt in der FAG streiten um die Sende-Konzession:

  • die Verlage Gruner + Jahr (an dem ZEIT-Verleger Gerd Bucerius beteiligt ist), Spiegel und 3urda. Die drei Großverleger halten 18 Prozent des FAG-Kapitals.
  • Der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger treuhänderisch für alle ihm angehörenden Unternehmer (18 Prozent),
  • Zeitungsverleger aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland (12 Prozent),
  • eine französische Rundfunk-Holding, die im saarländischen Felsberg den Werbesender Europa I betreibt,
  • der Generaldirektor von Europa I, der Elsässer Frederic Billmann (5 Prozent).

Die restlichen 26 Prozent waren zunächst für ARD und ZDF reserviert worden, die aber die Zumutung, sich selber Konkurrenz zu machen, weit von sich wiesen. Wie der Pressedienst „text intern“ erfahren haben will, hat inzwischen eine Münchner Gruppe („Deutsche Fernseh-Kontakte“), zu der Wirtschaftsjournalist Bert Schnitzler und Bekleidungsfabrikant Ralph Louisoder gehören, knapp die Hälfte des verschmähten 26-Prozent-Anteils übernommen.

Dem wendigen Billmann gelang es sogar, eine der äußerst raren Mittelwellenfrequenzen für de FAG aufzutreiben. Gegen eine Beteiligung von drei bis vier Prozent am Umsatz der Privat-Funker handelte er dem jugoslawischen Staatssender Ljubljana eine Option auf die Freqenz 917 kHz ab, die den Laibachern bei der Kopenhagener Wellen-Konferenz zugeschlagen worden war.