Die herrschende Partei der Tschechoslowakei säubert ihre Reihen. Jeden Tag bringen die Zeitungen neue Namen und Zahlen. Pavel, Císař, Goldstücker, Smrkovský, Kosík, Jankovcová, Martin Vaculik... Noch sind es Namen, bald werden es nur noch Zahlen sein.

Die Kommunistische Partei in der ČSSR hat offenbar erkannt, daß sie in den vergangenen Jahren, besonders 1968 und 1969, von echten Kommunisten durchsetzt worden ist. Diese hatten wichtige Partei-Positionen erobert und manchen Spitzenfunktionär auf ihre Seite gezogen – kurz, es drohte die Gefahr, daß sie auch die Mehrheit ihres Volkes zum Kommunismus bekehren würden.

Diese Gefahr wurde mit Hilfe des Großen Bruders beseitigt, und dann konnte die Partei endlich Ordnung schaffen und sich von den kommunistischen Elementen befreien. So ist es richtig: Je mehr Menschen die Partei, die einst eine Massenpartei war, ausschließt, um so disziplinierter und gehorsamer werden die restlichen Mitglieder sein. Auf diese Weise wird die Partei wieder das, was man von ihr verlangt: ein bloßer Machtapparat.

Man kann sich zwar empören, daß ein Verein, der weder kommunistisch noch eine Partei ist, sich noch immer „Kommunistische Partei der Tschechoslowakei“ nennt. Aber was sind Namen? Worte – und Worte ändern oft ihren Inhalt. Das Wort „Kommunist“ bezeichnete ursprünglich einen Menschen, der sich zu der marxistischen Soziallehre bekennt und für eine gerechte Welt kämpft. Solange sich Leute wie Breschnjew, Husák oder Strougal „Kommunist“ nennen, kann man das Wort in seinem ursprünglichen Sinne nicht mehr benutzen.

Insofern sind die Prager Säuberungen nur logisch. Gabriel Laub