Von Hans Otto Eglau

Als der 41jährige Chefmanager Hugo Mann am Ostersamstag die Hauptverwaltung seiner Firma im Düsseldorfer Vorort Erkrath-Unterbach betreten wollte, wartete auf ihn bereits der Gerichtsvollzieher. Aus seiner Tasche zog der Herr von der Justiz eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts in Schwelm. Antragsteller: die Birkel-Nudelwerke im schwäbischen Endersbach.

Hugo Mann, Generaldirektor der zum kanadischen Weston-Konzern gehörenden Filialkette Deutscher Supermarkt Handels-GmbH, nahm die Gerichtsdepesche gelassen entgegen: in einer Spezialakte mit der Aufschrift „Osterei“ hatte er bereits drei Verfügungen anderer Firmen abgelegt.

Die Attacken der Fabrikanten hatte der Supermarkt-Chef durch eine Geheimaktion herausgefordert, von der am Gründonnerstagmorgen Konkurrenten, Lieferanten und Verbraucher gleichermaßen überrascht worden waren. Auf Plakatanschlägen an den Schaufenstern seiner 174 Filialen und in ganzseitigen Inseraten in 64 Tageszeitungen unterbot er Deutschlands hartnäckigste Anhänger gebundener Preise. Sieben auf einen Streich ließ der engagierte Preisbindungsfeind purzeln: So verkaufte er

  • die Flasche „Asbach Uralt“ zu 12,95 Mark anstatt – wie vorgeschrieben – für 15 Mark;
  • Orangensaft „Hohes C“ der Nieder-Olmer Firma Eckes zu 1,68 anstatt zu 1,98 Mark,
  • zwei Packungen Bahlsen’s „Leibniz-Keks“ für 0,89 statt für 1,– Mark,
  • „Livio“-Speiseöl der zum Unilever-Konzern zählenden Margarine-Union für 1,99 statt zu 2,35 Mark,
  • „Birkel“-Nudeln zu 0,75 statt zu 0,85 Mark,
  • „Tempo“-Taschentücher der Vereinigten Papier-Werke des Quelle-Konsuls Dr. Gustav Schickedanz für 0,79 statt für 1,– Mark und
  • „Nivea“-Creme der Hamburger Firma Beiersdorf für 0,99 statt für 1,20 Mark.

Von Graphikern der Düsseldorfer Werbeagentur Troost hatte sich der energische Preisbrecher als Plakatblickfang zerbrochene Ketten in schwarzer Farbe malen lassen. Unterschrift: „Festkalkulierte Preise der Hersteller hindern uns, gerechte Preise zu finden. Das haben wir satt!“

Manns gerechte Kampfpreise sind – so der selbstbewußte Handelskaufmann – „keineswegs Schleuderpreise, sondern mit Gewinn kalkuliert“. Mann: „Die Spannen der sieben Artikel lagen sämtlich weit über dem Durchschnitt.“