Von Dieter Buhl

Das faszinierendste politische Schauspiel der Welt hat schon viele Rezensenten gefunden. Dicke Bücher – wie Theodore H. Whites alle vier Jahre wiederkehrendes Standardwerk "The Making of the President" – sind über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf geschrieben worden. Aber allen war doch ein Mangel zu eigen: Sie konzentrierten sich zu sehr auf die Kandidaten, auf die Männer in der Hauptrolle, und vergaßen darüber die Souffleure, die Masken- und Bühnenbildner und die Regisseure der Wahlkampfinszenierungen.

Joe McGinnis, ein 26 Jahre alter Journalist aus Philadelphia, hat sich nicht mit der Perspektive des Kritikers auf den besseren Plätzen begnügt, er hat hinter die Kulissen geschaut und vermittelt einen ungewohnten und erschreckenden Einblick in den amerikanischen Wahlkampf:

Joe McGinnis: "The Selling of the President"; A. Deutsch Ltd., London 1970; 253 S., 30 sh

McGinnis beobachtete im Sommer und Herbst 1968 das Team von Public-Relations-Experten und Fernsehspezialisten, das Richard Nixon zum Präsidenten machte. Der junge Autor berichtet knapp und kühl über das Erlebte. An Stelle ambitiöser Analysen liefert er Erklärungen und Dialoge der Präsidentenmacher und offenbart mit der Authentizität eines protokollarischen Berichtes ihren Einfluß auf das Verhalten Nixons im Wahlkampf.

McGinnis beseitigt die letzten Zweifel an der Wirksamkeit der Zauberer aus Madison Avenue (dem Zentrum der amerikanischen Werbewirtschaft) in der Politik. Die Männer, die gewöhnlich Autos, Büchsenbier oder Waschpulver anpreisen, verkauften diesmal einen Präsidentschaftskandidaten. Und es klappte so vorzüglich, daß die von ihnen gesteuerte Präsidentschaftskampagne als die perfekteste überhaupt gepriesen wird.

"Es ist eine Schande..."