Von Heinz Josef Herbort

Franziska hat dem Bauern zugesagt, mit ihm, wie in diesen Landen üblich, am Johannistag den Verlöbniswein zu trinken – ihre Liebe jedoch gilt Ludwig, dem Förstersohn. Ludwig hingegen hat – und darum muß er sich verbergen – seinen Vater erschossen, als dieser ihn beim Wildern entdeckte; außerdem hat er zur Zeit etwas mit einer Kellnerin. Eine aussichtslose und darum leicht zu Herzen gehende Sache also.

Vor der Lösung noch eine Komplikation mit Möglichkeiten für dramatische Ausbrüche: Martina, die Magd, weiß zu viel, darum muß sie weg, raus; doch bevor sie verschwindet, packt die Frustrierte noch einmal aus, keifend, versteht sich. Dann der deus ex machina: Der Rattengiftverkäufer kommt und preist Franziska seine Ware an, die schüttet das Pülverchen dem Bauern in den Wein, er trinkt und verendet, Ludwig kommt, die Sache mit der Kellnerin ist aus, „Franziska, ich liebe dich“, beide trinken den Rest des Giftes, Hand in Hand gehen sie, ‚in der Schuld gleich geworden“, in der Tod.

Eine unheimlich schöne Kolportage also.

Die ganze Schönheit dieses Opernlibrettos von Richard Billinger verrät der Spruch, den zu sagen hat, wer zu Johannis den Verlöbnis wein trinkt: „Sankt Johannes liebte den Herrn,/er trug als Herz einen Stern./Wirst du der Liebe untertan,/so liebet bald das Leiden an,/Halleluja“.

Daß ein so logisch-nüchterner und intelligenter Komponist wie Winfried Zillig noch Anfang der sechziger Jahre auf die Idee kommen konnte, einen derartigen Schmarren zu vertonen, läßt unter anderem auch einige Schlüsse auf die Gattung Oper und deren (Un-) Möglichkeiten zu. 1963 kam der Einakter in Linz heraus.

In Hagen holte man das Stück jetzt wieder, deutsche Erstaufführung, hervor – wieso in Hagen?