Von Claus Bardtholdt

Drei Generationen lang glaubten Kaufleute und Reeder an Norddeutschlands Küste, daß es zwischen Hamburg und Bremen keinen Brückenschlag gibt. Doch was emotionsbestimmte Politiker bisher nicht schafften, brachten jetzt kühl rechnende Bankiers zustande: An Elbe und Weser entsteht ein Unternehmen/ das von der Größe her die Bezeichnung „einzige deutsche Weltreederei“ verdient, die Hapag-Lloyd AG.

In dieser Woche wurde die letzte Hürde genommen: Der Aufsichtsrat des Norddeutschen Lloyd Bremen beschloß den Zusammenschluß mit der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag genannt. Der Aufsichtsrat der Hapag hatte bereits vorher seine Zustimmung gegeben.

Die 114 Frachtschiffe der beiden Reedereien werden nun künftig mit dem schwarz-weiß-roten Schornstein der Hapag und unter der Lloyd-Flagge mit dem Bremer Schlüssel fahren. Nur die beiden Passagierschiffe, die „Bremen“ und die „Europa“, werden weiter den traditionellen gelben Lloyd-Schornstein behalten.

Damit ist nun der Schlußstrich gezogen unter drei Jahre zäher Verhandlungen, die mehr als einmal zu scheitern drohten. Als die ZEIT vor zwei Jahren erstmals über die Fusionsbestrebungen berichtete, hagelte es noch Dementis von allen Seiten. Erst im Sommer letzten Jahres gab Hapag-Generaldirektor Traber zu, daß die in den beiden feindlichen Hansestädten beheimateten größten deutschen Linienreedereien künftig einen gemeinsamen Kurs steuern wollen.

Nach einer über hundertjährigen Geschichte haben die beiden Reedereien die Konsequenz aus einer Entwicklung gezogen, die das Bild der Seeschiffahrt mindestens so stark verändert wie der Übergang vom Segelschiff zum Dampfschiff: der Einsatz immer größerer und immer schnellerer Schiffe sowie neuer Transportmethoden wie der Verladung mit Containern. Nur Großunternehmen können die hierfür notwendigen Investitionen aufbringen.

123 Jahre lang war die Hapag eine Institution an der Elbe, verbunden mit den Namen von Kaufleuten, die in der Hansestadt einen Klang hatten und haben: Sloman, Amsinck, Sieveking. Auf 113 Jahre blickt der Lloyd zurück, dessen Gründer Meier in den Hafenkontoren an der Weser noch heute legendären Ruf genießt.