Von der Rendite her ist die Aktie der Stahlwerke Südwestfalen uninteressant. Trotz eines gewaltigen Umsatzsprunges von 956 auf 1190 Millionen Mark bleibt das Unternehmen bei der mageren Dividende von 14 Prozent, die jetzt schon seit dem Geschäftsjahr 1959/60 beibehalten wird. Offensichtlich legen die drei Großaktionäre – Hoesch mit 26 Prozent, die Allianz mit 31 und das Münchner Bankhaus Merck, Finck & Co. mit 37 Prozent – auf den Ausbau, des Unternehmens größeren Wert als auf die Rendite, denn die Investitionen schnellten von 37,7 auf 83,4 Millionen Mark herauf.

Für die freien Aktionäre ist die Gewinnverteilung zweifellos eine Enttäuschung, denn immerhin ist der Rohertrag um gut 20 Prozent höher als im Vorjahr. Wie gut das zurückliegende Geschäftsjahr 1968/69 war, zeigt die Verdoppelung der Ertragssteuern von 12,8 auf 25,3 Millionen Mark, über die sich der Geschäftsbericht schamhaft ausschweigt.

Die Phantasie der freien Aktionäre muß sich angesichts dieser Geschäftspolitik an Spekulationen und Abfindungen entzünden. Seit zwei Jahren zeigt der Börsenkurs kräftige Ausschläge, ohne daß im einzelnen festzustellen ist, wo die Ursache zu suchen ist. Da keiner der Großaktionäre mit den restlichen am Markt befindlichen sechs Prozent der Aktien seine Position entscheidend verbessern kann, liegt eine Vermutung nahe, daß hier Spekulationen ungebundener Interessenten der Anlaß waren. mh