Von Karl-Heinz Sömisch

Wer in Bad Hersfeld nicht nach Gießen, sondern auf der Autobahn nach Würzburg weiterfährt, lernt mit der „Rhönlinie“ eine der schönsten Autobahnstrecken Deutschlands kennen. Die rund 140 Kilometer lange „Rhönlinie“ beginnt im Norden am Autobahndreieck Hattenbach und endet am Autobahndreieck Biebelried, wo sie in die Autobahn Frankfurt–Nürnberg mündet. Die erst 1968 fertiggestellte Strecke hat den Autoreiseweg von Hamburg nach München erheblich verkürzt. Sie verleitet dazu, in einem Rutsch durchzufahren.

Dennoch sollte man sich die Zeit für einen Abstecher in die Rhön nehmen. In welchen Teil der Rhön? In die „Kuppige Rhön“? Die „Hohe Rhön“? Oder die „Südrhön“? Wer so fragt, weiß, daß sich das Waldgebirge zwischen Fulda und Bad Kissingen in landschaftlich unterschiedliche Gebiete aufteilt. Sie haben jedes für sich ihren eigenen Reiz. Und wer schon an der Ausfahrt Hünfeld/Schlitz die Autobahn verläßt, hat in Hünfeld die ganze Rhön vor sich – ausgenommen den Nordostzipfel, der über die Zonengrenze nach Thüringen hineinragt.

Wir fahren auf landschaftlich schöner Straße bis kurz vor den kleinen Ort Eckweisbach, der am Fuße der 835 Meter hohen Milseburg liegt. Alexander von Humboldt soll diesen zerklüfteten Bergkoloß den „schönsten Berg Deutschlands“ genannt haben. Einheimische vergleichen die eigentümliche Gestalt des Phonolithfelsens mit einer Totenlade, unter der nach der Sage der böse Riese Mils begraben liegt.

Auf die Milseburg führen mehrere bequeme Wanderwege (vier bis sechs Kilometer). Den Wagen kann man auf dem Parkplatz in Oberbernhards stehenlassen. Der Gipfel bietet einen prächtigen Rundblick. Wer nach Rückkehr zum Wagen noch ein bißchen Zeit hat, kann gleich die Wasserkuppe ansteuern. Man fährt zunächst nach dem hübsch gelegenen Dörfchen Kleinsassen und dann weiter nach Wolferts. Hinter diesem Ort öffnet sich vor Ihnen eine wahre Postkartenansicht auf die Rhön. Und der mächtige Buckel mit der Radarstation ist die Wasserkuppe.

Fahren Sie von Dietges aus über Abtsroda hinauf auf die mit 950 Meter höchste Erhebung der Rhön. Das sind knapp sechs Kilometer, und die Auffahrt ist gut ausgebaut. Oben finden Sie einen Parkplatz vor, an den sich Spazier- und Wanderwege in alle Himmelsrichtungen anschließen Greifbar nahe die benachbarten Gipfel des Pferdekopfes und der Eube, lohnend der Weg zur Fuldaquelle. Die Wasserkuppe ist als „Berg der Segelflieger“ über die deutschen Grenzen hinaus bekanntgeworden, und fast ständig befinden sich einige der lautlosen weißen Vögel in der Luft. Wer Lust hat, kann auch selbst einmal über die Kuppen der Rhön hinweggleiten. Die Segelfliegerschule veranstaltet Gastflüge für Touristen. Aber auch wenn Sie mit den Füßen auf der Erde bleiben, werden Sie von der großartigen Aussicht auf das Land zwischen Thüringer Wald, Frankenwald, Spessart, Taunus, Vogelsberg, Knüll und Meißner beeindruckt sein. Dann fahren Sie auf der B 284 hinab zu dem Kneipp- und Luftkurort Gersfeld, der sich nicht zuletzt wegen seines Rufes als beliebtester Wintersportplatz der Rhön stolz „heimliche Hauptstadt der Rhön“ nennt. Wenn Sie es einrichten können, sollten Sie dem Schloß aus dem 18. Jahrhundert einen kurzen Besuch abstatten.

Nun fahren wir auf der B 279 weiter, eine aussichtsreiche Bergstrecke, die uns auf dem höchsten Punkt der Straße bei der sogenannten Schwedenschanze über die hessisch-bayerische Landesgrenze führt. Schwedenschanze? – An dieser Stelle hatten sich während des Dreißigjährigen Krieger schwedische Truppen nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen verschanzt. Die Straße führt von hier an abwärts durchs Tal der Brend über Oberweißenbrunn nach Bischofsheim.