Die Machthaber in der Südafrikanischen Republik hatten schon immer besondere Einfälle, wenn es galt, die Vormachtstellung der weißen Minderheit gegenüber der schwarzen Bevölkerung zu sichern.

Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht neue Apartheid-Gesetze in Kraft treten, die die totale biologische, soziale, politische und wirtschaftliche Trennung zwischen Schwarz und Weiß forcieren. Seit fünf Jahren verbietet ein Gesetz weißen Hausbesitzern, mehr als einen schwarzen Hausangestellten auf seinem Grundstück wohnen zu lassen; im vergangenen Jahr wurden Sportbegegnungen von Südafrikanern mit Athleten anderer Hautfarbe unter Strafe gestellt. Die neueste Apartheid-Errungenschaft: Alle Farbigen, die beruflich in irgendeinen Kontakt mit der weißen Bevölkerung kommen, verlieren ihre Stellung. Betroffen sind alle kaufmännischen Angestellten, Schreibkräfte, Kassierer und Kellner. Dem diskriminierenden Rassengesetz ist kein Hinweis zu entnehmen, wo die arbeitslosen Farbigen eine neue Beschäftigung finden können.

Unzufrieden mit dem neuen Regierungsdekret sind diesmal Industrie und Handel. Sie fürchten, ihre billigen schwarzen Angestellten zu verlieren: Allein eine Johannesburger Firma mit rund tausend Beschäftigten muß auf Grund des neuen Gesetzes 700 farbige Arbeitnehmer auf die Straße schicken.

Südafrika, das den Rassismus zur politischen Heilslehre erhoben hat, tritt die Menschenrechte mit Füßen: Von dreißig Artikeln der UN-Konvention, so stellte die Internationale Juristenkommission fest, werden mindestens 21 nicht eingehalten. S. B.