Die zum Veba-Bereich gehörende Nordwestdeutsche Kraftwerke AG, Hamburg, erzielte im Geschäftsjahr 1968/69 (30. September) im technischen und wirtschaftlichen Sektor – so drückt sich der Vorstand aus – ein überdurchschnittliches Ergebnis. Trotz Ausnutzung aller steuerlichen Möglichkeiten erhöhten sich die ertrags- und vermögensabhängigen Steuern auf 56,5 (42,7) Millionen Mark. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich auf 39 (36) Mark.

An dem Gewinnrekord wird indessen der Aktionär direkt nicht beteiligt. Statt 14 Prozent Dividende plus 1 Prozent Bonus (für 1967/68) erhält er jetzt glatte 15 Prozent. Nicht einmal die Hälfte des versteuerten Gewinns wird ausgeschüttet. Da der Vorstand der NWK als „aktionärsfreundlich“ bekannt ist, dürfte er sich bei seinem zurückhaltenden Dividendenvorschlag etwas gedacht haben. Vielleicht erhielt er einen „Wink von ganz oben“, wo Dividendenerhöhungen bei Versorgungsbetrieben aus optischen Gründen zur Zeit nicht sonderlich gern gesehen werden. Wir wollen indessen hoffen, daß der NWK-Vorstand seine bisherige Unabhängigkeit bewahrt.

Den Beweis seiner bisherigen Aktionärsfreundlichkeit kann der Vorstand liefern, wenn es zur nächsten Kapitalerhöhung kommt, die im Geschäftsbericht bereits vorsichtig angedeutet wird. Im Ergebnis ist es dann den Aktionären lieber, wenn sie die jungen Aktien zu einem niedrigen Bezugskurs übernehmen können als wenn sie jetzt eine hohe Ausschüttung kassieren.

Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von etwa 17 für die NWK-Vorzugsaktie ist das Papier nur optisch hoch bewertet. Zu berücksichtigen sind hier die überdurchschnittlichen Zuwachsraten im Stromabsatz, die vorläufig der Gesellschaft treu bleiben werden. Zu berücksichtigen ist ferner, daß die Gesellschaft zuletzt 1963/64 nennenswerte Eigen- und Fremdmittel zur Investitionsfinanzierung aufnehmen mußte. Danach reichte die Selbstfinanzierungskraft aus. Die NWK hat das Gesetz zur Förderung der Verwendung von Steinkohle in Kraftwerken konsequent ausgenutzt und daraus ihre Vorteile gezogen. kw